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zurück zum glück
[03.06.2012] wenn auch nur schritt für schritt ...
na dann trau' ich mich doch wieder einmal, etwas zu schreiben, nach endlos langer zeit und nachdem ich mich nicht nur ewig selbst bejammern wollte.
anfangs dezember des letzten jahres wollte ich doch tatsächlich wieder in ein ernsthaftes training einsteigen, aber über die gelungene erste tempoeinheit kam ich eigentlich nicht hinaus. sowohl was das tempo als auch die langen läufe betrifft, fand' ich alsbald - auch unterstützt durch's kalte wetter - zu meinen ewigen ausreden zurück, das laufen doch nicht allzu ernst zu nehmen.
so war mir anfang des jahres schnell klar, dass der frühjahresmarathon (den ich wie immer im hinterkopf hatte, aber eben nur dort) eigentlich schon wieder gegessen war. um aber nicht wieder ohne plan ins neue jahr zu starten, setzte ich mir wieder einmal klare ziele für eben dieses:
4000 jahreskilometer, halbmarathon und 10er-wettkampf in der ersten jahreshälfte, marathon dann im herbst. über die zeitziele dabei wollte ich mir gedanken machen, wenn ich einmal die ersten 6 wochen des jahres absolviert hatte. diese wollte ich ausschließlich zur umfangsstabilisierung nutzen, um endlich wieder einmal auf eine gediegene grundlage aufbauen zu können. erst danach wollte ich mich gezielt auf einen halbmarathon am 1. mai vorbereiten.
die ersten zwei wochen wurden dabei noch von doppelruhetagen unterbrochen (teils dem verspäteten weihnachtsessen bei meinen eltern samt durchgefeierter nacht geschuldet, teils schneefallbedingt) aber dann konnte ich die wochenumfänge zwei mal mit sieben einheiten auf deutlich über 90 kilometer steigern. mitte der woche 5 schaute ich mir selbst über die schultern und merkte stolz an, wie unverdrossen und selbstverständlich ich schon wieder bei der sache war. und trotz eines ruhetags, den ich mir einfach gönnte, weil ich ein ganz klein wenig druck auf meine achillessehnen verspürte, kam ich auch da auf 90 kilometer. es lief also wirklich alles bestens und nach einer weiteren umfangreichen woche, wollte ich dann endlich wieder in einen ernsthaften trainingsplan einsteigen. die grundlagen schienen mir schon bestens gelegt.
als ob ich etwas geahnt hätte, verzichtete ich aber noch auf einen eintrag hier. ich wollte erstmal auch den trainingsbeginn abwarten. schnecke! montags trotz morgendlicher schwindelanfälle, die sich aber bald legten, noch ganz normal bei der inzwischen schon länger vorherrschenden kälte unterwegs, musste ich dienstag mittag das handtuch werfen und von der arbeit nach hause gehen, so schwindlig und schlecht wie mir war. meine befürchtungen, dass mich mein hausarzt gleich direkt in die HNO überweisen würde, erfüllten sich am nächsten tag zwar nicht, aber ausser mit antibiotika für eine mögliche mittelohrentzündung und einem öl, das meine komplett zugefallenen ohren wieder freikriegen sollte, lies auch er mich eher rat- und mutlos zurück. nach drei tagen war die mittelohrentzündung auch optisch diagnostizierbar, aber bis ich tatsächlich wieder gut genug beieinander war, um wieder zu arbeiten und zu laufen, vergingen doch insgesamt 12 tage.
der wiedereinstieg am sonntag ins laufen fiel mir dann auch gewohnt schwer, vor allem, weil ich mich auch immer noch nicht ganz sicher fühlte, das gleichgewicht betreffend. aber noch sah ich meine ziele für das erste halbjahr nicht bedroht, sondern mit gewissen einschränkungen doch einigermaßen gut machbar.
der schwindel verschwand in den nächsten zwei tagen endgültig (gott sei dank), dafür machte mir für die nächste zeit die rechte achillessehne das leben schwer, und großteils das lauftraining unmöglich. diese zusätzlichen drei wochen mit nur wenigen kilometern machten dann meinen guten einstieg ins jahr endgültig zunichte. den restlichen märz brachte ich jedenfalls nur recht vorsichtig herum, um nur ja nicht die achillessehne allzu sehr herauszufordern und meine frühjahresziele habe ich damals eigentlich schon begraben. scheinbar sollte es einfach nicht sein, dass ich die lauferei wieder ernsthaft betreibe.
so plätscherte die erste aprilhälfte auch nur irgendwie dahin, unterbrochen durch diverse feiertage und feiern, und ich bin nebenbei bemerkt sehr froh, mich zwischenzeitlich nicht hier zu wort gemeldet zu haben.
danach knallte ich aber wieder eine woche mit mehr als 90 kilometern auf die strasse, und konnte damit endlich wieder an den jänner anschließen. die woche darauf war zwar durchwachsen, weil mir wieder einmal ein zahn gerissen wurde, und auch robis geburtstagsfeier ihren tribut zollte, aber meine entscheidung war gefällt, dass ich mitte mai in die 22-wöchige marathon-vorbereitung für graz laut meinem online-plan einsteigen wollte. das jahresziel also, zumindest für den herbst, sollte wieder aufgenommen werden. aber auch darüber hier zu berichten, fehlte mir noch das vertrauen in mich selbst.
so sollte also am 14. mai mein marathonplan mit einer tempoeinheit beginnen.
ja, und die verschob ich gleich mal, ob des allerdings wirklich grauslichen wetters, auf den nächsten tag. und auch da überlegte ich mir beim einlaufen, ob ich nicht das machen sollte, was ich die letzten 3 jahre am allerbesten beherrschte. nämlich mich wieder vor ernsthaftem training zu drücken, und stattdessen irgendwelche alibieinheiten zu laufen. im letzten augenblick gab ich mir dann doch einen ruck und zog die einheit etwas schneller, als nach plan durch. derartig motiviert lief ich gleich am nächsten tag die zweite tempoeinheit dieser woche, und das nicht nur mit 4 kilometern tempo, wie verlangt, sondern gleich über die gesamte distanz, teilweise auch noch deutlich schneller. unglaublich, dass ich das geschafft hatte, und diesen elan nahm ich auch gleich zum langen lauf am samstag mit, den ich noch ein wenig verlängerte. den sonntag brauchte ich als ruhetag, aber die zweite woche ging ohne zittern und an allen sieben tagen mehr als plangemäß über die bühne. die lange einheit lief ich dabei zusammen mit robi, und wir verlängerten gleich von 20 auf 22,7 kilometer, weil's so schön und entspannt war.
am montag benötigte ich dann aber einen ruhetag, und dienstags dieser woche kamen mir beim einlaufen wieder die allergrößten zweifel, ob ich die einheit überhaupt schaffen könnte und würde. ich konnte, zwar mit einiger quälerei, aber sogar gut unter dem zeitziel, und es fiel mir auch der dauerlauf am mittwoch nicht besonders schwer. aber auch donnerstags bei der zweiten tempoeinheit plagten mich wieder die ärgsten zweifel, und ich musste mich sehr überwinden, den ersten tempoteil überhaupt loszustarten. wieder aber brachte ich die einheit bestens und ohne probleme zu ende.
am samstag in der früh bot ich dann ein einziges bild des jammerns, voller selbstzweifel und sorgen, dass ich den langen lauf nicht annähernd packe. ich war schon deutlich am überlegen, ob ich den überhaupt laufen sollte oder wenigstens nur kurz, als ich in der kleinen zeitung die schon lange erwartete neue strecke des grazmarathons zu gesicht bekam. das legte dann doch einen schalter in mir um, und ich lief ohne zögern und zagen problemlos sogar 24,5 statt der geplanten 23 kilometer.
aber auch wenn ich diese dritte trainingswoche mit dem geplanten regenerativen lauf gut abgeschlossen habe: es fehlt mir einfach noch jegliches läuferische selbstvertrauen. doch bin ich inzwischen zumindest einmal auf dem weg, es mir schritt für schritt zurück zu erobern.
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