Titel gelaufen Untertitel
[31.12.2008] Grazer Silvesterlauf - 10 km
unverhofft kommt oft; ein durchaus versöhnlicher jahresausklang ...
nachdem heuer erstmals seit vielen jahren die gemeinsame silvesterfeier mit unseren lieben freunden aus deutschland ausfällt, und wir dementsprechend auch nicht (wie im vorjahr) im burgenland feiern, steht zum jahresabschluss noch ein silvesterlauf in graz über 10 kilometer an. da der erst um 14:30 startet, kann ich mich ordentlich ausschlafen und habe auch keinerlei stress, mich noch ordentlich mit kaffee aufzuputschen und meine sieben zwetschgen herzurichten. mein körper fühlt sich nach der kurzen taperingphase doch einigermaßen gut an, und so machen sich robi (der heute liebenswerter weise mein begleiter ist) und ich mit guter laune um 12:00 nach graz auf. dort fahren wir zu martin, verstauen zuerst einmal dessen alten fernseher, den nun robi bekommt, im auto, und parken eben dieses noch schnell gebührenfrei nicht unweit des startes. weil in graz keine sonne herauskommt und es dementsprechend arschkalt ist, halten wir uns nicht im start-/zielgelände auf, wo auch noch wenig betrieb herrscht, sondern begeben uns in martins warme wohnung, die gleich in der nähe ist. dort stelle ich mit schrecken fest, dass meine startunterlagen keine sicherheitsnadeln für die startnummer enthalten. ein paar hektische telefonate mit kathi, die noch einkaufenderweise unterwegs ist, bringen auch keinen erfolg, weil sie einfach keine mehr auftreiben kann. aber zu hause angekommen, spürt sie doch noch dankenswerter weise die nötigen vier nadeln irgendwo in der wohnung auf. so brechen martin (der mich erstmals auch zu einem lauf begleitet), robi und ich kurz nach 14:00 auf, damit ich auch noch ein wenig zum einlaufen komme.
inzwischen herrscht deutlich mehr betrieb und die wohlige vorwettkampfnervosität, die mich heute - erstmals seit langer zeit wieder - schon am vormittag erfasst hat, verstärkt sich deutlich.
meine erwartungshaltung für den heutigen lauf ist nach wie vor sehr gedämpft, zu mühsam waren die läufe in letzter zeit, zu unsicher bin ich mir über mein momentanes leistungsvermögen. so laufe ich mich mit dem bewußtsein ein, dass vermutlich keine neue persönliche bestzeit möglich sein wird, und schon gar nicht der für den momentanen trainingsverlauf optimal mögliche schnitt von 4:09, der an sich in meinem trainingsplan steht. vollkommen egal! zurück bei martin und robi zünde ich mir natürlich noch schnell eine zigarette an, auch wenn ich weiss, dass das bei vielen läuferInnen hier eher auf riesiges unverständnis stoßen wird! ;-) eine zweite folgt, als bekanntgegeben wird, dass sich der start um fünf minuten verzögert, und so reihe ich mich um 14:30 in die startaufstellung ein. nicht allzuweit vorne, weil ich zum einen nicht weiss, wieviele der läuferInnen hier über 5 kilometer starten, und ich mir ja auch selbst nicht allzuviel zutraue, an diesem kalten tag hier. aber ich bin absolut bester laune zwischen all den starterInnen, weil ich mich dennoch über die anstehende anstrengung freue und den lauf zumindest genießen will, so gut es dann halt geht.
der sprecher zählt von 10 herunter und los geht's auf einem streckenteil, den ich schon vom halbmarathon bestens kenne. ein wenig zickzack-laufen ist notwendig, um die langsameren läuferInnen zu überholen, die wie immer viel zu weit vorne in der startaufstellung stehen, aber schon nach einigen 100 metern finde ich einen laufrhythmus, der mir angepasst erscheint. vorbei an meinem auto, das hier geparkt ist, biegen wir auf die murpromenade ein. ich horche in mich hinein, fühle mich zwar gut, aber auch deutlich zu langsam, eigentlich ähnlich wie bei meinem letzten intervalltraining, wo ich das erste tempostück komplett verbummelt habe. das tempo zu erhöhen erscheint mir dennoch nicht angebracht, sondern ich sehe mich einfach in der einschätzung meiner heutigen leistungsfähigkeit bestätigt und laufe dennoch gut gelaunt vor mich hin. als ich beim passieren der ersten kilometermarke meine uhr abdrücke, muss ich wieder einmal mit großer verwunderung zur kenntnis nehmen, wie unterschiedlich sich geschwindigkeiten im training und während eines wettkampfes anfühlen. erstaunliche 3:58 (ich hätte einen wert jenseits der 4:20 erwartet) zeigt mir die uhr an, ein tempo, bei dem ich am samstag vermutlich das gefühl gehabt hätte, auf den nächsten metern zu kollabieren. der umstand, dass ich das tempo so leicht erlaufen bin, gibt mir erstmals hoffnung auf eine gute zeit, aber auch die gewissheit, dass ich trotzdem deutlich zu schnell unterwegs bin für heute. also ein klein wenig langsamer werden, ist die devise. ein klein wenig, wie gesagt. bei all dem staunen und überlegen über den ersten kilometer erreichen wir erstmals die kalvarienbrücke, wo zuerst ein kurzes stück nach links bergan zu laufen ist, um dann eine 180° spitzkehre zu nehmen, bei der ich wie ein paar läuferInnen direkt vor mir das geländer zum festhalten verwende, um kaum tempo herausnehmen zu müssen. macht spass, macht laune und erstmals fällt mir die läuferin in schwarz vor mir auf, die so ausschaut, als könnte sie sich ihr tempo hervorragend einteilen. die brücke und kilometer 2 (in 4:10) ist überquert und es geht leicht bergab zurück richtung innenstadt. die gelegenheit einfach kraftschonend dahin zu rollen und zu schauen, dass ich das tempo halte. immer die "lady in black" kurz vor oder neben mir wird kilometer 3 in 4:12 passiert, ein kurzes aber heftiges bergaufstück unter der keplerbrücke hindurch überwunden, und weiter geht's in die sackstraße richtung hauptplatz. als ich kilometer 4 bei 4:09 abdrücke, weiss ich, dass meine einschätzung bezüglich der läuferin neben mir richtig ist und kurze zeit später durchlaufen wir knapp hinterreinander die nächste 180° kehre in der herrengasse, die nicht gerade angenehm zu laufen ist. zurück richtung hauptplatz, eingebogen in die murgasse kann ich das tempo der dame nicht mehr ganz halten, auch wenn ich es natürlich versuche. kein wunder wie ich dann kurz vor der ersten durchquerung des zielbogens feststelle: die wird nämlich siegerin bei den damen, wie der specher verlautbart, allerdings über 5 kilometer und befand sich dementsprechend auf ihrem zielsprint. aber auch ich habe diesen fünften kilometer derart motiviert in 4:00 absolviert. zeit also, wieder ein ganz klein wenig vom tempo zu gehen, vor allem weil ich ja auch meiner zugläuferin beraubt bin. zeit auch, wieder in mich hinein zu horchen. und auch langsam aber sicher an die mögliche endzeit zu denken. die verbesserung meiner bestzeit erscheint mir zu diesem zeitpunkt erstmals möglich, und als ich kilometer 6 in 4:15 passiere, habe ich auch wieder zwei läufer und eine läuferin vor mir, deren tempo dem meinen gleicht und an denen ich mich orientieren kann. ab jetzt wird nur mehr augenmerk darauf gelegt, nicht an tempo zu verlieren und mir ein wenig kraft für die letzten kilometer aufzusparen. kilometer 7 wird in 4:14 genommen, kilometer 8 geht in 4:12 noch ein wenig schneller. hier setzen sich dann die beiden läufer ein wenig ab, aber ich schaffe den vorletzten kilometer auch in 4:10, trotz der steigung unter der keplerbrücke. und ab dem hauptplatz reitet mich dann auch noch ein wenig der teufel, ich lasse die läuferin kurz vor der wende in der herrengasse hinter mir und lasse es einfach nur noch laufen. hauptplatz, nach links in die murgasse, über die brücke, nach rechts in den lendkai und nach einer nochmaligen kurzen tempoverschärfung passiere ich meine beiden söhne und den zielbogen in 3:54 für den letzten kilometer, wobei ich sogar meine uhr abdrücken kann. es geht mir also einigermaßen gut dabei. den beiden läufern bin ich wieder ein wenig näher gekommen, die läuferin lasse ich noch deutlich hinter mir.
41:15 61. von 288 TeilnehmerInnen (13. M40 von 61)
ich bekomme meine medaille ausgehändigt und gehe sofort zu meinen kindern, wo ich an martins schulter kurz ausschnaufen kann. den schicke ich dann gleich los mir als erstversorgung einen glühwein zu besorgen, während ich mir ein trockenes t-shirt überziehe. als ich den in empfang nehme, habe ich auch einen kurzen brechreiz überwunden, der mich ob der anstrengung auf den letzten metern doch noch heimgesucht hat, und ich finde die zeit mir mein vorläufiges ergebnis auf meiner uhr anzuschauen und mich wirklich sehr darüber zu freuen. diese zeit und auch diesen endspurt hätte ich mir einfach heute nicht zugetraut. es geht also wieder deutlich aufwärts, wie mir scheint, und als mehr als nur versöhnlichen jahresabschluss habe ich auch noch meine persönliche 10km-bestzeit in ein durchaus verträgliches licht gerückt und damit das gespenst von knittelfeld verjagt. eben nur mit familienbegleitung möglich und damit perfekt, das ganze.
wir drei gehen noch in ein gemütliches lokal hier am maria-hilfer platz und nehmen uns die zeit, noch gemütlich zu plaudern und ein kleines und ein großes bier zu trinken, als belohnung für meinen lauf und das ausharren der beiden kinder in der kälte. schön, söhne zu haben, mit denen man das in bester stimmung tun kann. um 17:00 mahne ich dann aber doch zum aufbruch, und nach einem kurzen abstecher in martins wohnung machen sich robi und ich auf richtung leoben, um dort dann gemeinsam mit birgit und lukas silvester zu feiern. ein schöner tag, auch wenn wir heuer alleine bleiben.
[zurück zur Übersicht]