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[14.09.2008] Volkslauf Wildon - Halbmarathon
keine neue bestzeit, aber ein gespenst verjagt ...
wie so oft fühle ich mich beim aufstehen am wettkampftag deutlich entspannter und besser, als zuletzt. nichts zwickt, nichts zwackt, auch wenn ich doch noch eine gewisse müdigkeit in den beinen verspüre. egal, heute werde ich erstmals nicht alleine laufen, sondern gemeinsam mit bernhard am start stehen (meinem retter von wien) und das läßt schon echte vorfreude aufkommen. das wetter ist miserabel (bei uns regnet es), aber für wildon ist's einigermaßen trocken angesagt und die temperaturen sind ja jedenfalls optimal für's laufen. und so machen sich birgit und ich kurz vor 8 uhr (diesmal nur zu zweit und ohne fotoapparat) auf den weg. während der fahrt grüble ich noch ein wenig über meine zeitvorstellungen nach, weiss aber natürlich schon, dass ich jedenfalls zumindest versuchen werde, wieder unter 1:30 zu laufen. das aber ohne stress und - wenn geht - ohne einbruch, anders eben, wie zuletzt in graz.
in wildon angekommen bin ich schon einmal sehr positiv vom startsackerl überrascht, dass mit t-shirt, wurst und sonstigen beigaben schon einen guten teil des startgelds wieder hereinspielt. umgezogen wird sich beim auto, weil es mir zu mühsam wäre, irgendwelche umkleiden zu suchen und so treffen wir nach kurzem telefonat auch auf bernhard, hannes samt frau und kinder und auch ruth, die den 9,5 kilometerlauf absolvieren wird. auch hannes, der noch vor einer woche als zweiter den ultra in celje über 75 kilometer in 5:47:41 gebrettert ist (unvorstellbar für mich), hat sich im letzten moment entschlossen, den halbmarathon mitzulaufen und so entlassen wir nach netten plaudereien ruth mit guten wünschen zum start ihres laufs und gehen uns selbst 2 kilometer einlaufen, bevor wir kurz vor 10:15 recht weit vorne in der startaufstellung stehen.
da bernhard nicht auf sub 1:30 anlaufen will und ich ohnehin ein schnellstarter bin, orientiere ich mich anfangs an hannes, von dem ich mir erhoffe, dass er mehr tempogefühl hat als ich, und wir beide passieren auch tatsächlich bei 4:08 (also einmal nicht deutlich zu schnell) den ersten kilometer. und das (eine vollkommen neue erfahrung für mich) munter plaudernd. das ganze fühlt sich zwar recht gut an, aber als wir für den zweiten kilometer 4:19 brauchen und auch der dritte kilometer in 4:17 passiert wird, entscheide ich für mich, einstweilen keinen versuch auf eine neue persönliche bestzeit zu starten, sondern einfach das eingeschlagene tempo so gleichmäßig wie möglich ins ziel zu bringen. die nächsten kilometertafeln scheinen nebenbei etwas zu weit zu stehen, wie auch hannes und bernhard, der in der steigung des vierten kilometers zu uns aufgeschlossen hat, vermuten. das kann aber auch daran liegen, dass es auf diesen kilometern doch ein wenig bergauf geht. wir drei sind immer noch am plaudern, auch wenn es schon kurzatmiger wird (zumindest bei mir) und so befinden wir uns ungefähr bei kilometer 7 auf einer zielzeit von 1:31:30, wie uns hannes hochrechnet, der deutlich am wenigsten angestrengt ist. mir paßt das immer noch ganz gut - ich wollte ja heute keinen stress mit einem erzwungenen verbesserungsversuch - und so gehe ich die temposteigerung von hannes und bernhard bei kilometer 8 auch nicht mit, sondern laufe ab da mein eigenes tempo gleichmäßig weiter. zuschauerInnen hat's nicht besonders viele auf der strecke, und auch das läuferInnenfeld hat sich klar positioniert und es gibt keinerlei abwechslung durch irgendwelche überholmanöver. aber das wetter hält hervorragend und die strecke ist angenehm zu laufen. kurzum: ich fühle mich bestens. in gehörigem abstand vor mir sehe ich, dass sich kurz nach kilometer 10 hannes von bernhard verabschiedet, um - wie er später erklärt - eine endbeschleunigung in seinen lauf einzubauen (mehr als 7 minuten hat er bernhard auf den letzten 11 kilometern noch abgenommen, der wahnsinnige) und ich raffe mich auch weiterhin nicht auf, mein tempo zu verschärfen. warum auch, es läuft sich gerade so angenehm. so spule ich kilometer für kilometer herunter, beobachte dabei, wie sich mein rückstand auf bernhard zwar vergrößert, ich selbst aber immer noch auf kurs für eine sub 1:32 bleibe (das minimalziel, das ich mir für die vorbereitung auf graz gesteckt habe). wieder einmal versuche ich bei einer der labestationen vergeblich mehr zu trinken als auszuschütten, und warte eigentlich schön langsam darauf, dass ich wie in graz deutlich müde werde. bei kilometer 15 denke ich noch einmal kurz daran, das tempo doch noch zu erhöhen. aber irgendwie sitzt der einbruch in graz noch tief in meinem hinterkopf, und so renne ich beharrlich mein tempo weiter. freilich wird's langsam schwerer, aber von einer bedrohlichen müdigkeit bin ich weit entfernt und auch bei kilometer 18 bin ich noch guter dinge und weiss, dass heute nichts mehr anbrennen wird. hier überhole ich auch meinen vordermann, der mich irgendwo bei kilometer 8 selbst überholt und sich ewige zeiten in kurzem abstand vor mir durchgekämpft hat. kilometer 19 fliegt vorbei und schön langsam freue ich mich darauf, wenn das ganze bald ein ende findet. wie so oft beflügelt mich der letzte kilometer zu einer deutlichen tempoverschärfung, ich biege ins seegelände ein, sehe weder birgit noch ruth und barbara, die mich auf der zielgerade anfeuern, sondern konzentriere mich nur mehr darauf, den walkerInnen auszuweichen, die auf einmal auch am gelände sind, und passiere angestrengt, aber nicht total erschöpft mit einer pace von 3:55 für die letzten 1,1 kilometer die ziellinie.
1:31:17 66. von 261 teilnehmerInnen (10. M45 von 40)
welch wunderbares gefühl, einmal nicht kurz davor zu sein, mich im ziel übergeben zu müssen. und auch die endzeit ist durch meinen schlusssprint sehr zufriedenstellend geworden. wie fast immer finde ich birgit nicht an der vereinbarten stelle, treffe sie aber bald bei meinem rückweg zum festzelt und bin dankbar, dass ich mir meine fleece-jacke überziehen kann. so ohne laufen ist's bei ca. 10° C doch recht kalt. im zelt angekommen erfahre ich, dass bernhard (wie von mir ob seines optischen vorsprungs ohnehin erwartet) doch auf unter 1:30 gelaufen ist (1:29:35 lautet seine neue fantastische bestzeit). auch ruth ist überglücklich, weil sie - ohne besonders gut im training zu stehen - ebenfalls um mehr als 3 minuten schneller war als im vorjahr, und mit 46:20 ebenfalls eine fantastische zeit gelaufen und auch noch 3. ihrer alterklasse geworden ist. tja und unser wunderläufer hannes hat sich mal ebenso noch auf eine zeit von 1:22:12 endbeschleunigt und den 22. gesamtrang erreicht.
aber auch ich fühle mich wunderbar und bin hoch zufrieden, weil ich nicht nur eine immer noch sehr gute zeit gelaufen bin, und zwar ohne einzubrechen und mich bis an die kotzgrenze auszupowern, sondern weil damit endlich das gespenst verjagt ist, um jeden preis bei jedem bewerb noch schneller sein zu müssen, als zuletzt. ich habe meinen kompromiss gefunden, wie mir scheint, und der läßt für graz einiges hoffen.
birgit erstversorgt mich mit einem bier und ein paar würsteln (auch brötchen und salate hätte es - alles gratis und ohne limitierung - noch gegeben), womit mein startgeld endgültig wieder hereinbracht ist. auf's duschen wird verzichtet, weil ruth erzählt, dass die schon nach dem 9,5 kilometerlauf kalt waren, und so bekleide ich mich gleich im zelt mit trockenem t-shirt und jeans, die mir meine treusorgende frau vom auto geholt hat. wir unterhalten uns noch blendend mit unseren neu gewonnenen freundInnen, ich bekomme noch zwei bier gratis, weil die anderen mitläuferInnen nur tee trinken und so ist alles eitel wonne und wirklich entspannend, wenn auch schön langsam etwas kühl. am ende warten nur noch birgit und ich mit ruth auf deren siegerehrung und machen uns danach auf die heimreise von einer sehr schönen veranstaltung (läuferisch, wie zwischenmenschlich) und ich hoffe doch, dass wir unsere neuen laufbekanntschaften bald einmal wieder sehen werden.
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