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[18.05.2008] 10 km Knittelfeld
erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ...
so will ich also heute, drei wochen nach dem wienmarathon, endlich eine 10km-bestzeit stehen haben und vor allem das vielbeschworene nachmarathons-trainingshoch dazu bestens nutzen. nachdem die letzten beiden intervall-trainings zur direkten vorbereitung nicht allzu schlecht waren, auch wenn ich die müdigkeit immer noch nicht ganz aus den beinen geschüttelt habe, und ich mich wieder einmal von der euphorie des laufen-aktuell-forums hab' anstecken lassen, habe ich in den letzten beiden tagen eine klare sub 42 (was auch immer klar wirklich gewesen wäre) als minimalziel, die sub 41 als mögliches ziel, und gar eine sub 40 als traumziel ins auge gefaßt. recht ungenau also meine einschätzung der momentanen leistungsfähigkeit, aber was soll's: einfach loslaufen und wie immer nach dem 1. kilometer schauen wie es sich anfühlt und welches tempo ich so draufhabe. dann wird's schon irgendwie funktionieren.
aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt:
nachdem ich mich schon sehr früh (ein ungutes gefühl bezüglich anmeldung verfolgt mich und ich will zur not noch nachmelden können) und erstmals auch alleine auf den weg zu einem lauf mache (meine frau war mit ihren eltern und ihren schweizer verwandten, die zu besuch sind, auf burgenlandtrip richtung seewinkel, lukas und robi hatten keine lust, bzw. anderes vor) klappt eigentlich von anfang an nichts so richtig. zwar beginnt mein herz sofort höher zu schlagen, als ich das große zieltor erblicke und ich finde auch in unmittelbarer nähe einen parkplatz, aber dann:
- es gab am freitag einen serverausfall und so muss ich tatsächlich nachmelden
- beim abgehen der strecke entdecke ich nach gut 100 metern die 10km-startlinie
- damit keine nettozeit und keine 2,5 km-zwischenzeiten beim passieren des zieltors
- es gibt zwar kleine pfeile für den streckenverlauf, aber keinerlei kilometrierung
- während ich über eine kleine tafel (noch 200m) lächle, kommt auch noch die sonne heraus
leicht gefrustet, ob dieser umstände, gehe ich mich in die volksschule umziehen, treffe noch auf zwei bekannte, mit denen ich mich kurz unterhalte, rauche die eine oder andere zigarette, laufe mich 10 minuten ein und mach mich dann langsam auf zum start.
dort heißt es, sich hinter den teilnehmerInnen der steirischen landesmeisterschaften einzureihen, um dann kurz vor start doch aufrücken zu können und los geht's.
die paar sekunden, die ich für das überqueren der startlinie brauche, werden mir kaum abgehen am ende und so beginne ich mich vorzuarbeiten und versuche einigermaßen das richtige tempo zu treffen. wie immer in der startphase geht's mir eigentlich recht gut und auch die 15-20 höhenmeter auf den ersten ca. 1,5 km (ich hatte wenigstens einen streckenplan per mail erhalten und den mittels googlemaps einigermaßen abgecheckt) tun nicht wirklich weh. aber die beine fühlen sich alles in allem recht saftlos an. nach ungefähr einem kilometer hat sich das feld eingespielt und ich laufe in einigem abstand hinter einer läuferin her, die offensichtlich nach knittelfeld gehört, weil sie des öfteren vom spärlichen aber freundlich applaudierendem publikum angefeuert wird. schon bald geht es wieder abwärts, die eingangs erwähnte tafel wird passiert, und bei ca. 9:45 durchquere ich erstmals den zielbogen.
eine schöne zeit, wenn start und ziel zusammengefallen wären, aber so bin ich ziemlich gefrustet, als ich erstmals wieder über die startlinie laufe und dort doch deutlich über 10 minuten auf der uhr habe. egal, wieder den aufwärtsteil der strecke bewältigt, wieder die anfeuerungsrufe für die dame vor mir zur kenntnis genommen, der ich nach wie vor in einigem abstand hinterherlaufe, irgendwie im stillen gehofft, dass wir vielleicht schneller geworden sind und nach mehr als 20 minuten das zweite mal durchs zieltor gelaufen.
nichts ist's mit dem schneller geworden sein, nichts ist's mit einer wirklich guten zeit. derart gefrustet machen mir auch die sonne samt doch ca. 20 °C (der wetterbericht hatte dichte wolken und weniger als 15 °C prognostiziert) zu schaffen, und auch die steigung nehme ich jetzt deutlich als eine ebensolche wahr. keinen bock zu attackieren, keine kraft zu kämpfen (die beine sind einfach zu müde), einfach nur in einigem abstand sabine (so heißt die läuferin) nachgezockelt, um wenigstens die anfeuerungsrufe für sie mitzunehmen. ich bemerke einen läufer, der etwas abseits erschöpft am boden hockt und von zwei helfern betreut wird, die offensichtlich auch schon den krankenwagen geordert haben. hin und wieder werden noch ein paar ganz junge läufer von uns eingesammelt, die sich offensichtlich übernommen haben.
das zieltor wird ein drittes mal passiert, die zeit nur mehr am rande zur kenntnis genommen (ich rechne mir schon gar keine sub 42 mehr aus) und mutlos weitergelaufen. vor sabine läuft im gleichbleibenden abstand noch eine andere läuferin, die mir insofern abwechslung verschafft, als dass ich vergeblich versuche, die aufschrift auf ihrem trikot zu entziffern (das X kann ich erkennen, das -trim dazu lese ich erstmals auf der ergebnisliste im internet). fast am ende der steigung habe ich auf einmal mit meinem magen und einer aufkeimenden übelkeit zu kämpfen, aber irgendwie bin ich ja auf der letzten runde. ich verdopple die atemfrequenz, und als es wieder flach wird, packt mich doch noch ein klein wenig der ehrgeiz. ich greife sabine an (sie möge es mir verzeihen) und kann sie tatsächlich überholen. die läuferin mit dem X davor muss den braten gerochen haben, denn auch sie beschleunigt und kann den abstand noch leicht vergrößern. die kleine tafel wird mit leichtem seitenstechen passiert und ich versuche auf der kurzen zielgerade noch einmal zart tempo zu machen, um nicht ebendort von sabine rücküberholt zu werden. die kommt dann auch nur 1 sekunde nach mir ins ziel, wie die ergebnisliste zeigt, und vorbei ist der ganze "zauber".
ich nehme nur wahr, dass die zeit jenseits der 42 minuten liegt, bin erschöpft, enttäuscht und vor allem durstig. also hin zur verpflegungsstelle, sogar eine banane gegessen und langsam wieder zu atem gekommen. ein wenig stapfe ich dann im zielbereich herum, unterhalte mich noch kurz mit einer mir bekannten teilnehmerin an den meisterschaften, die mit ca. 45 minuten ins ziel kommt und darüber klagt, den lauf zu schnell angegangen zu sein, und ab geht's in die duschen (viel zu niedrig angebracht, weil für kinder gedacht, aber irgendwie erheiternd). auch dort "jammern" eigentlich alle (vielleicht, weil ich auch gar nichts anderes hören will), dass sich ihre vorstellungen so gar nicht erfüllt hätten bzw. die strecke schwerer war, als angenommen. das nimmt mir immerhin ein wenig von meinem eigenen frust, dafür beginne ich auf einmal in einem fort und heftigst zu niessen. na bravo, vielleicht auch noch verkühlt bei der ganzen geschichte. auch schon egal, denke ich mir, und niesse mich weiter richtung ergebnislisten:
0:42:24 -- 17. von 67 finisherInnen (4. M45 von 11) ohne teilnehmerInnen an der meisterschaft
danach rufe ich kurz birgit an, erfahre, dass sie schon fast zu hause ist und mache mich auch selbst auf den heimweg.
was lerne ich aus der ganzen sache? vor allem eines: keinen wettkampf mehr ohne meine frau! ;-))
ich sollte vor allem aber deutlich den druck von mir nehmen. freilich fehlte die kilometrierung (ein manko, das ich sicher nicht mehr auf mich nehme), mag auch sein, dass die strecke schwer war, und ja, es war auch warm. aber es kann auch so nicht immer nur klare leistungssteigerungen geben. vor allem dann, wenn man nicht willens ist, auch darum zu kämpfen. und auch ich habe keinen anspruch darauf, immer gut erholt zu sein und einen fast perfekten tag zu erwischen. wie auch? warum auch?
ich bin einen weiteren wettkampf gelaufen und habe dabei durchaus erfahrung gesammelt. nicht mehr, nicht weniger. abgehakt, aus.
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