Titel gelaufen Untertitel
[31.12.2007] 9 km Silvesterlauf Pamhagen
drei tage feiern im seewinkel mit laufunterbrechung ...
nachdem wir mitte dezember doch noch alle notwendigen arbeiten in unserer ferienwohnung im burgenland abschließen konnten, stand der geplanten verlegung unserer alljährlichen silvesterzusammenkunft in den seewinkel nichts mehr im weg und auch die anvisierte teilnahme am lauf in pamhagen (leider nur über 9 km, 10 wären mir lieber gewesen) stand damit fest.
und so machen sich birgit, robi und ich sonntags zu mittag auf ins burgenland, um die hütte ordentlich aufzuheizen und die kommode, die wir noch besorgt hatten um wenigstens kleinigkeiten gut verstauen zu können, zusammenzuschrauben. das ist mein part und ich mache mich nach einem kurzen lauf auch gleich daran, die wie immer endlos vielen schrauben von hand an ihre position zu bringen. als am abend petra und pepperl zu uns stoßen, habe ich schon einigermaßen handweh und auch mein kreuz fängt langsam zu rebellieren an. aber das tut der guten stimmung keinen abbruch, und als sich am späteren abend auch noch hansi, unser vermieter, mit einem doppelliter weisswein zu uns gesellt, wird das werkzeug beiseite gelegt und der gemütliche teil des abends eingeleitet, der dann immerhin bis ca. 1/2 2 uhr anhielt (keine angst, es war auch reichlich bier und rotwein vorhanden).
zu gemütlich, wie ich am nächsten tag feststellen muss, als ich mit leichtem kopfweh und einigermaßen erfroren (das schlafzimmer war noch nicht wirklich mitgeheizt) aufstand. egal, der silvesterlauf ist eingeplant und wer saufen kann, muss auch das laufen ertragen können. so machen wir uns mittags erstmal auf zum sportplatz pamhagen, wo anmeldung und zieleinlauf stattfinden sollen, und nichts desto trotz überkommt mich ein erstes nervöses kribbeln, als ich am fussballplatz die zielgerade mit zeitnehmung sehe. groß wird sie nicht werden, die veranstaltung, aber rustikal, wie mir scheint. laute musik ist auch vor ort, ein glühweinstand vorhanden und auch die siegertreppchen stehen bereit. pepperls vorschlag, vorab ein foto mit mir darauf zu machen, lehne ich dennoch ab. was soll ich, unausgeschlafen, leicht verkatert und grundsätzlich nicht sicher, wie schnell ich überhaupt im stande bin, zu laufen, mit so einem foto? nach meiner anmeldung machen wir noch einen kurzen abstecher über die ungarische grenze, um uns mit billigen zigaretten einzudecken (jaja, ich rauche auch noch immer). wir empfinden tiefe befriedigung, wenn auch noch mit leichter unsicherheit, als wir die grenze so ganz ohne die gewohnten kontrollen überfahren (die ist ja erst seit dem 21. dezember frei passierbar) und machen uns dann auf zur vila vita, auf deren gelände der start erfolgen wird. ehrfurchtsvoll ob des mondänen geländes betreten wir dort das restaurant, um noch einen kaffee bzw. ich einen schluck mineralwasser zu uns zu nehmen. ich schnüre alsbald meine laufschuhe und mache mich nach draussen auf, um noch ein wenig zu dehnen und mich einzulaufen. schon die ersten schritte dämpfen meine begeisterung sehr deutlich, denn das laufen fühlt sich ätzend an, kaum vorstellbar, dass ich meine füße schneller, als im regenerativen tempo bewegen werde können.
aber auch wenn nur wenige läuferInnen vor ort sind, heizt sich meine stimmung doch einigermaßen auf, als ich richtung start trabe, und meine aufkeimende nervosität und das kribbeln am ganzen körper ist kaum noch zu bremsen. die stimmung ist freundlich, läuferInnen samt begleitung stehen im startbereich zusammen und harren gemeinsam der dinge, die da kommen. und als dann endlich von zehn herab eingezählt wird, finde ich mich in unmittelbarer nähe der startlinie wieder (ganz entgegen meiner sonstigen gewohnheiten) und lasse mich auch sofort zu einem "auf teufel komm raus"-tempo verleiten, als der startschuss fällt. die ersten zweieinhalb kilometer führen in kurven und auf schottrigem untergrund durch bewaldetes gelände, und abweichend von allen anderen läufen bisher, bin ich es, der nun langsam von der einen oder den anderen schnelleren läufererInnen überholt werde, obwohl ich für mich selbst den eindruck habe, ohnehin deutlich zu schnell zu sein. die versprochenen kilometermarkierungen erblicke ich zu dieser zeit noch nicht und so ist die uhr meine einzige orientierung, wie viel des weges ich schon hinter mich gebracht habe. allen befürchtungen zum trotz geht es mir nicht allzu schlecht beim laufen, auch wenn ich kurz vor kilometer drei (die markierung ist dann schon auf asphaltierter straße und auch von weitem deutlich erkennbar) wieder von einer gruppe aus drei läufern überholt werde. gemeinsam passieren wir die markierung in einer viel zu schnellen zeit (schnitt unter 4:00) und nicht nur mir wird klar, dass ich dieses tempo unmöglich halten kann. auch einer der anderen stellt fest, dass er das nie durchhalten wird können. trotzdem verliere ich meter auf meter auf die drei und die streckenführung ist inzwischen burgenlandtypisch: endlose geraden ohne viel orientierungspunkte und auch ein leichter gegenwind tut sich auf. da ab jetzt jeder kilometer markiert ist, stelle ich unschwer fest, dass ich doch deutlich langsamer geworden bin. der abstand nach vorne vergrößert sich aber kaum noch und auch von hinten schiebt sich niemand mehr an mich heran. der nächste kilometer fliegt vorbei und auch bei noch so genauem hineinhorchen in mich selbst, stelle ich nur fest, dass ich weder langsamer werde, noch wirklich erschöpft bin. schaut so aus, als ob ich das ganze doch zu einem guten ende bringen kann. bei kilometer sechs überlege ich sogar kurzfristig, ob ich mein tempo deutlich erhöhen soll, um die drei läufer vor mir anzugreifen, verwerfe den gedanken aber gleich wieder. vielleicht bricht mir ja einer von den jungs tatsächlich ein, so wie angekündigt. vielleicht breche ja auch ich noch ein. diese gedanken hegend wieder ein blick zurück, aber auch von hinten kommt mir niemand gefährlich nahe. und so versuche ich einfach mein tempo zu halten und sehe in der ferne auch schon die ortschaft pamhagen auf mich zukommen. die dreiergruppe vor mir hat sich tatsächlich zersplittert und der langsamere scheint mir merklich zurückzufallen. dieser umstand reicht zwar nicht, dass ich meine tempo beim passieren der ortstafel noch erhöhen kann, aber verstärkt auch durch die musik, die uns jetzt schon vom sportplatz entgegenschallt (ohne blickkontakt allerdings), kann ich es gut halten. um die nächste kurve herum sehe ich dann nicht nur das sportplatzgelände im hintergrund, sondern bin auch auf den läufer vor mir aufgelaufen, der mir wild hechelnd gesteht, dass er keine kraft mehr hat. zuerst will ich ihn aufmuntern und mit ins ziel schleppen, aber dann packt mich doch noch der ehrgeiz und ich laufe ihm davon. kurve richtung straße, kurve richtung sportplatz und ich biege auf das zielgelände ein, das auf dem rasen des sportplatzes zum zieltor führt. ich gebe auf den letzten hundert metern nochmals stoff, werde vom sprecher angesagt und durchlaufe, inzwischen doch fast mit den kräften am ende, das ziel.
ich wanke zu meinen leuten und als ich nach fünf minuten wieder einigermaßen bei atem und ansprechbar bin, erzählt mir petra, die mitgezählt hat, dass ich als zwölfter ins ziel gekommen bin. ein zusätzlicher grund, nicht sofort aufzubrechen, sondern noch auf die ergebnisliste zu warten. man weiss ja nie. die stimmung nach dem lauf hält mich ohnehin gefangen und ich freue mich wieder so richtig, bei einem wettkampf teilgenommen zu haben. noch dazu, wo ich trotz aller selbstverschuldeten widrigen umstände mein laufziel (pace von ca. 4:15) erreicht habe. pepperl läd mich auf einen rumtee ein, um mich wieder warm zu bekommen, wir genießen die stimmung, die auch bei einem kleinen lauf wie diesen sehr gut ist, und warten, dass es 16 uhr wird. ich gehe mich zwischendurch duschen und irgendwann stürmt robi auf mich zu und erklärt mir, dass ich zweiter meiner altersklasse geworden bin. auch wenn das starterInnenfeld kaum hochklassig war überkommt mich dennoch irgendwie die rührung, hätte ich doch nie gedacht, dass ich tatsächlich je auf einem treppchen stehen würde. und auch die anderen klopfen mir herzlichst und voller stolz auf die schultern. die letzten minuten zur siegerehrung werden noch von einem tina turner-verschnitt namens "rose" verkürzt, die alle anwesenden zwar eher peinlichst berührt mit ihrem auftritt, aber durchaus zu unser aller erheiterung beiträgt, auch wenn es uns langsam kalt wird. kurz nach 16 uhr ist es dann so weit und ich betrete (inzwischen einen platz zurückgefallen, weil der sieger des laufes irrtümlich in die falsche altersklasse eingereiht wurde) als dritter das siegespodest, nehme medaille, händeschütteln und küsschen entgegen und freue mich wie ein schneekönig.
38:07 - 12. von 80 StarterInnen, 3. der alterklasse M40
alles in allem ein gut gelungenes event, bei dem ich die frage, ob ich mit vernünftigerer laufeinteilung und vor allem ohne feiern am vorabend schneller hätte sein können, einfach auf den zeitpunkt verschiebe, an dem ich das nächste mal an einem lauf über ähnliche distanz (dann jedenfalls 10 km) teilnehmen werde.
gleich nach der siegerehrung fahren wir zurück zum westhof. dort schrauben robi und ich die kommode endgültig fertig. hansi und seine frau birgit kommen noch kurz vorbei, und birgit erzählt uns, dass sich hansi der wahnsinnige am heimweg in der nacht die rippen geprellt oder gebrochen hat. beim stolpern über einen fahrradständer, der offensichtlich nicht dort stand, wo er ihn vermutete (das gelände ist des nachts allerdings auch stockfinster). am abend stossen dann auch noch lukas, martin und kathi zu uns und wir starten gemeinsam in die nächste feier, diesmal aber offiziell! ;-)
am neujahrstag gehen wir dann am abend noch gut und gemütlich essen, pepperl und ich schaffen es wieder bis weit nach mitternacht zusammen zu sitzen, und zu mittags des nächsten tages wird es wieder zeit, sich vom westhof und unseren freunden zu verabschieden (bis ostern diesmal nur).
schön war es, gemütlich war es, wiederholenswert war es. burgenland ist also auch im winter eine reise wert.
[zurück zur Übersicht]