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[01.09.2007] Stainzer Schilcherlauf Halbmarathon
ein weiterer schritt nach vorne, unglaublich ...
aufgestanden bin ich um 1/2 11, ein umstand, der einen lauf am späten nachmittag sehr angenehm macht. ich fühlte mich zwar müde und schlapp, aber es war ja noch zeit genug, mich mit kaffee, einer kalten dusche und ein paar dehnübungen munter zu machen. auch robi konnte ich im laufe des mittags überzeugen, dass er für mich als fotograf und laufbetreuer unverzichtbar ist. bei lukas gelang mir das diesmal nicht. und so machten wir uns bepackt mit meinem neuen adidas-rucksack, den ich mir gestern geleistet hatte, um 14 uhr auf zu meiner mutter, die uns diesmal - auf meine einladung beim geburtstagsfest zu ihrem 70er in der vorwoche hin - begleiten würde. dort sammelten wir auch birgit auf, die vor der abfahrt unbedingt noch schwimmen gehen wollte, um auch ihrerseits das wochenende sportlich genutzt zu haben. die fahrt nach stainz verlief mit vielen plaudereien kurzweilig und ohne vorkommnisse und war vor allem zeitlich deutlich kürzer, als es der routenplaner in aussicht gestellt hatte. schnell die startnummer samt starterpackage abgeholt, von birgit für den hungrigen robi 2 wurstsemmeln besorgt, und wir schafften es tatsächlich noch zum start des "Messner Würstel" Kinderlaufs, bei dem uns wider erwarten ein starker aber nicht allzu langer regenguss überraschte. an sich war für die südliche steiermark ja trocken angesagt, aber diese abkühlung versprach ein optimales laufwetter. zu diesem zeitpunkt war schon überdeutlich klar, dass der lauf hier bei weitem mehr stimmung und flair hat, wie der marathon in salzburg. und das ist schön. nach dem kinderlauf wollten birgit und meine mutter gerne einen kaffee trinken und für mich war es ohnehin an der zeit, mich langsam einmal richtung umkleidemöglichkeit zu bewegen und mein laufdress anzuziehen. auf dem weg dorthin hatte ich die gelegenheit die letzten 700 meter der strecke zu inspizieren, auf denen es ein doch deutlich erkennbares gefälle gab. und das erinnerte mich an zwei dinge, die ich mir im vorfeld dieses laufes immer wieder durch den kopf gehen hab' lassen:
zum einen, dass dieser lauf mit insgesamt ca. 140 höhenmetern nicht ganz so flach sein würde, wie der grazer murpromenadenlauf, zum anderen der umstand, dass ich mir nicht erklären konnte, wie man aus vier mal 5,25 km einen halbmarathon mit 21,1 km machen wollte. egal, nach dem umziehen gesellte ich mich noch auf ein paar zigaretten zu meiner familie, hatte meine üblichen probleme mit der anbringung meiner startnummer und machte mich dann auf, mich ein wenig einzulaufen. dabei lief ich teile des ersten kilometers ab und stellte doch fest, dass das "bergab"-stück am ende des rundkurses zwangsweise bedingt, dass es, wenn auch sehr sanft, irgendwo einmal bergauf gehen müßte. wobei schon klar gesagt sei: 35 höhenmeter auf 5 km sind nicht wirklich ein berglauf, aber sie könnten doch kraft kosten, wenn man sie unbesonnen hinter sich bringt. und ich war mir bis zu diesem zeitpunkt ohnehin nicht schlüssig, wie ich ganz grundsätzlich in form bin. besonders optimistisch war ich eigentlich nicht, zu dem zeitpunkt.
wie immer finde ich mich, nach dem schon obligaten gang für kleine jungs, recht spät in der startaufstellung ein und damit auch wieder recht weit hinten. dafür aber direkt neben meiner familie, mit der ich noch kurz plaudern kann, ehe eine kanone den start verkündet. nach ca. 70 sekunden bin auch ich über der startlinie, drücke meine stoppuhr (diesmal richtig) und habe, wie schon bei den letzten beiden läufen, gut damit zu tun, erstmals die vielen langsameren läuferInnen zu überholen, ohne dass ich dritte behindere, oder allzuviel umwege machen muss. nach ein paar hundert metern schon die erste band und gleich darauf die erste labestation, an der ich aber vorbeilaufe, ohne getränke aufzunehmen. bald darauf eine station mit musik aus der dose und freibier für die zuschauerInnen, die uns anfeuern und der erste kilometer, der sanft ansteigt, vergeht im flug und ich passiere ihn bei 4:22 minuten; klar zu schnell, wie ich mit sicherheit weiss. die sonne brennt inzwischen wieder ganz ordentlich herab und auch die steigung auf dem zweiten kilometer (nicht arg aber deutlicher, als am ersten) machen mir klar, dass der murpromenadenlauf einfacher zu laufen war. egal, ich bin nach wie vor mit überholmanövern beschäftigt und gut abgelenkt. rechts vor mir - kurz nach einer weiteren labestation mit anschließender "diskothek" - meine ich die 2-kilometermarke (wieder in form einer rosa sau, veranstalter ist ja auch ein verein namens "FC Sauzipf") auszumachen. es ist aber nur ein rosagekleideter zuseher. ;-) nach einer leichten biegung folgt sie dann aber tatsächlich und ich bin doch langsamer geworden. auch kein fehler, denke ich mir, und weiter geht's noch leicht bergauf, ehe ich bei der nächsten labestation, kurz nach einer ziehharmonika-bewaffneten volksmusikkombo, mein erstes getränk aufnehme. viel kann ich im laufen nicht trinken, das meiste verschütte ich nämlich, aber immerhin. das sollte ich übrigens auch die weiteren drei runden bei immer derselben frau beibehalten. erstmals geht's auch wieder ein wenig bergab und ich nutze diese gelegenheit, mich von den mühen der ersten kilometer zu erholen. kilometer 3 ist passiert und bald darauf bietet sich auch die lösung für die fehlenden hundert meter (auch wenn mir die erst weit nach dem lauf klar wird). anstatt gleich nach rechts in die lange gerade richtung stainz einzubiegen, wie es die löblicherweise ganzjährig beschilderte laufstrecke verspricht, führt uns die strecke zuerst ein paar meter in richtung der nächsten live-band (ein mädchen am mikrophon und guter sound) bevor wir in spitzer kehre endgültig richtung stainz zurücklaufen. dementsprechend ist dieser vierte kilometer wohl ca. 25 m länger und die erste verwunderung, dass ich ihn mit 4:45 deutlich langsamer gelaufen wäre, gegen jede eigenwahrnehmung und weil er vor allem wirklich flach war, erklärt. es folgen weitere labestationen und vor allem wieder eine band, die mir durchaus gut gefällt, auch wenn ich ihr erst viel später nach dem duschen tribut zollen kann, und die letzten 1250 meter bis ins ziel sehen mich, wie in allen anderen runden auch, am deutlich schnellstens. zum einen, weil ich in diesem am stärksten fallenden teil der strecke einfach meinen beinen freien lauf lasse, zum anderen weil mich zielbereiche ohnehin immer bestens motivieren. und so durchlaufe ich die zielgerade mit einem überzeugten lächeln in richtung meiner familie und mit einer deutlich schnelleren zeit, als auf den ersten 4 kilometern.
die zweite runde macht mir vor allem klar, dass es auch von vorteil sein kann, wenn eine derartige distanz in 4 gleiche runden aufgeteilt ist, vor allem für mich. der wiedererkennungswert ist ein recht hoher und zumindest die strecke kann einen nicht mehr überraschen, weder im positiven, vor allem aber auch nicht im negativen. und so passen sich meine zeiten der stärker werdenden sonnenbestrahlung an, sie werden langsamer, aber nicht so stark, dass es mich beunruhigen würde. die runde vergeht wie im flug und ab kilometer neun beginne ich die ersten nordic walkerInnen zu überrunden. ich gestehe denen durchaus zu und sehe es auch sehr positiv, dass sie der allgemeinen bewegungsarmut der menschheit deutlichst entgegentreten. andererseits frage ich mich, ob es wirklich sinn macht, sie innerhalb eines solchen laufereignisses mitwirken zu lassen. mich selbst würde es doch eher frustrieren, wenn ich schon auf meiner ersten runde von einem einfachen hobbyläufer, der dennoch mehr als doppelt so schnell sein muss, überrundet würde. was soll's, mich behindern sie jedenfalls nicht und ich vollende meine zweite runde zwar langsamer, aber doch immer noch in einer ausgezeichneten zeit. und nehme auf der zielgerade den zweiten vorteil wahr: ich sehe meine familie wieder am selben platz, werde angefeuert und kann immer noch gut zurücklächeln.
über die dritte und vierte runde gibt es nicht allzu viel zu erzählen, ausser dass ich recht froh bin, dass die sonne hinter den wolken verschwindet. meine beine sind deutlich schwerer und so freue ich mich umso mehr, dass ich die anwesenden zuschauerInnen inzwischen schon fast persönlich kenne. auch die feuern mich teilweise schon mit meinem vornamen an, der auf der startnummer abgedruckt ist. und erstmals in der dritten runde, nehme ich von einem der zahlreichen kinder, die das überhaben und es sehr motiviert betreiben, einen schwamm entgegen, um mich ein wenig abzukühlen. an dieser stelle sei noch einmal die organisation und auch die anteilnahme der zuschauerInnen hochgelobt, die wirklich sehr erfreulich und gut ist. lauftechnisch werde ich zwar etwas langsamer, aber durch die walkerInnen und auch die langsameren läuferInnen bleibt auf der strecke genug betrieb, um mich von mir selbst abzulenken. als ich zum dritten mal die zielgerade entlanglaufe, fällt mir einerseits das lächeln in richtung familie schon deutlich schwerer, andererseits erheitert mich der umstand, dass mich der moderator für den vermeintlichen siegläufer hält. ein umstand, den er zwar sehr schnell korrigiert, der mich aber dann kurzfristig motiviert, weil ich die gewissheit habe, nicht überrundet worden zu sein. die letzte runde ist der übliche kampf gegen mich selbst und das langsamer werden. aber meine zwischenzeit ist immer noch so gut, dass ich mir einfach um keinen preis eine persönliche bestzeit nehmen lassen will und so versuche ich einfach, nicht allzuviel zeit mehr zu verlieren. die kilometerschweinchen scheinen nur mehr sehr gemächlich an mir vorbei zu ziehen, aber die zeiten werden kaum langsamer. auf der zielgerade bekomme ich mit, dass gerade minister martin bartenstein dabei sein muss, das ziel zu durchqueren. dass der mitläuft, hatte ich zwar gewußt, bedaure aber ein wenig, nicht schon eine runde früher mitbekommen zu haben, dass er nicht weit vor mir liegt. denn das hätte mir sicherlich motivation und kraft gegeben, ihn auch auf der strecke selbst zu überholen. schade eigentlich, obwohl ich mir denke, dass ich dennoch eine schnellere nettozeit haben werde, als er. ein minister startet ja naturgemäß in der ersten reihe.
meine mutter und birgit nehme ich nicht mehr wahr, weil sie sich woanders hingestellt haben, dafür motiviert mich robi, der hinter dem zielbogen steht, um mich beim durchlauf zu fotografieren, zu einem kurzen zielsprint. geschafft ist der lauf und das mit neuer persönlichen bestzeit. auf meine medaille muss ich kurz warten, weil die damen gerade durch ein kurzes fotoshooting mit minister abgelenkt sind, aber dann umarme ich meinen robi, schnappe mir eine kalte dose puntigamer und trinke erstmal einen kräftigen schluck bier. herrlich!
danach setze ich mich zu mama und birgit und schnaufe ordentlich aus, bevor ich noch gemütlich eine rauche und mein bier austrinke. da es inzwischen doch schon deutlich kühler geworden ist, mache ich mich gemeinsam mit robi auf zu den duschen. wir feuern auf dem weg dorthin brav alle läuferInnen an, die uns unterkommen - die haben sich das durchaus verdient - und ich genieße die warme dusche in der hauptschule stainz. auch das passt also bestens.
zurück bei den anderen, erfahre ich von birgit, die bereits die ergebnislisten angeschaut hat, mein genaues resultat: 1:35:12 - 67. von 272 starterInnen und 25. in der alterklasse M40; minister bartenstein wie erwartet hinter mir (1:35:59 und damit 75.). letzteres freut mich fast noch mehr, als meine bestzeit, die ich zwar angestrebt hatte, von der ich mir aber so gar nicht sicher war, dass ich sie hier laufen könnte, ob der doch recht hohen temperatur und der weniger flachen strecke. für berlin ist also weiterhin alles offen.
so beobachten wir zu guter letzt noch ein wenig das rege treiben, das hier am hauptplatz herrscht, und essen eine kleinigkeit. mama kostet einen schilcher, der etwas zu kalt ist, ich trinke noch zwei bierchen und führe die üblichen telefonate. bevor es uns zu kalt wird, verlassen wir die bestens gelungene veranstaltung so ca. um 1/2 9 uhr abends und machen uns auf den weg nach hause.
stainz ist jedenfalls eine reise wert und bestens weiter zu empfehlen.
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