Titel gelaufen Untertitel
[13.05.2007] Salzburg AMREF Marathon
hitzeschlacht, aber ich lebe ...
just in dem moment als wir (birgit, lukas, robi und ich) nach 14 uhr in unserem hotel in salzburg einchecken, gießt es aus vollen kannen und läßt in mir kurze hoffnung bezüglich des wetters am marathontag aufkeimen. der zauber ist aber gleich einmal vorbei und so machen wir uns auf in die innenstadt, um einen kaffee zu trinken, uns salzburg ein wenig anzuschauen und vor allem natürlich auch startnummer und co abzuholen. ein kurzer blick zum residenzplatz, wo ein paar kleine und das große veranstaltungszelt stehen, um die startnummer abzuholen (null wartezeit, das war immerhin sehr positiv). weiter geht's in die getreidegasse, wo wir einem verwandten einer freundin meiner frau (arnolds frau), der dort ein cafe besitzt, schöne grüße aus leoben überbringen sollen und unseren kaffee zu uns nehmen. der verwandte macht mir wieder ein wenig hoffnung, was die temperaturen zumindest am start betrifft: mehr als 12-14°C werden es nicht sein, meint er.
danach wollen wir die feste hohensalzburg besichtigen, müssen aber lernen, dass eine familienkarte in salzburg keine 16jährigen inkludiert. derart erstmals verärgert trennen sich unsere wege. birgit und robi besuchen die festung dennoch, lukas und ich wollen eine runde durch die altstadt drehen und dann noch gemütlich ein bierchen trinken. ausgemachter treffpunkt 18 uhr wieder beim residenzplatz, um ein wenig dem coca-cola kids-race zuzuschauen und den essensgutschein für mich einzulösen. die salzburger innenstadt ist zwar schön anzuschauen und durchaus sehenswert, aber weder schloss mirabell, noch die lokalitäten vor ort laden lukas und mich zu einer näheren betrachtung ein, so dass wir über umweg der turnhalle (schwer auszumachen, wo man da turnen könnte), in der ich nach dem marathon duschen würde, wieder zum residenzplatz gehen und uns dort einmal die 12-jährigen bei ihrem lauf anschauen. unglaublich mit welchem tempo die ersten die 1,5 km absolvieren (ich würde mir das selbst gar nicht zutrauen), schön zu sehen, dass ein mädchen den lauf gewinnt. ;-)) danach setzen wir uns auf den residenzplatz, auf dem in praller sonne ein paar wenige holztische vor der ORF-bühne stehen, und lukas besorgt uns bei einem eigens aufgestellten kiosk unser bier. viele kids und deren eltern, aber sonst nicht viel los hier, am vortag des marathons. das ändert sich auch nicht, als meine frau und robi wieder zu uns stoßen. wir besorgen uns im zelt etwas zu essen. robi und ich irgendwelche bio-nudeln, birgit konsumiert meinen knödelgutschein mit sauerkraut (?!?), lukas interessiert sich gar nicht für den hochangepriesenen bio-food. meine frau besorgt dann noch vom domplatz (im letzten augenblick, denn die kioske sind um 19 uhr schon am zusperren) ein paar pizza-brezen und wir warten vergeblich auf ein wenig partystimmung. nach der siegerehrung des kids-race sind wir recht alleine übrig geblieben, am residenzplatz. eine zweite kleine enttäuschung, denn in meiner naivität hatte ich mir vorgestellt, dass es am vorabend des marathons doch ein wenig partystimmung gäbe. weit gefehlt und so machen wir uns auf den weg richtung hotel, um dort in unmittelbarer nähe noch gemütlich etwas zu trinken. dritte enttäuschung, denn dort - nicht einmal 2 km vom residenzplatz entfernt - gibt es anscheinend kein lokal, das sich dafür anbietet. so beschließen wir, in unserem hotel noch etwas zu trinken und werden dort gerade noch auf die gastterasse, die schon abgeräumt ist, gelassen mit dem durchaus freundlichen hinweis, dass sich dann ab 21 uhr die nachbarn wegen etwaigen lärms beschweren könnten. auch etwas seltsam, die vorstellung. so verlassen wir auch noch weit vor 22 uhr die terasse und begeben uns auf unsere zimmer. meinen vorsatz sofort zu schlafen gebe ich auf, weil ich robi, der mit mir im zimmer schläft, erlaube, die übertragung des songcontests anzuschauen und mich das dann doch am einschlafen hindert. nach der punktebekanntgabe von ungefähr 30 nationen steht der serbische beitrag als sieger fest. so schalten wir doch noch vor 24 uhr licht und fernseher ab und ich versuche (am anfang doch recht krampfhaft) schlaf zu finden.
nichtsdestotrotz wache ich am nächsten tag einigermaßen ausgeschlafen kurz vor 6 uhr auf, kann sofort meinen heiss herbeigesehnten klogang erledigen (schon mal sehr positiv) und begebe mich kurz zum fenster, um die wetterlage zu checken. kein einziges wölkchen am himmel und damit steht wohl endgültig fest, dass die befürchtete hitzeschlacht auch tatsächlich bevorsteht. ich packe mein laufgewand in den rucksack (mein neugekauftes ärmelloses shirt wage ich nicht zu verwenden, da ich sehr empfindlich für sonnenbrand bin und meine oberarme und schultern heuer noch nicht eben dieser ausgesetzt wurden) und wir checken - nach einem ausreichenden und für die hotelpreisklasse doch gut bestücktem frühstück - aus und machen uns zu fuß auf den weg in richtung residenzplatz. schon um diese zeit hat es sicher mehr als 14° C.
dort angelangt kommt erstmals stimmung in mir auf, weil ca. 3200 läuferInnen und deren anhang den platz doch ausreichend bevölkern. robi begleitet mich zur umkleidekabine und danach das übliche mühsame anbringen der startnummer, diesmal tatsächlich ein paar fotos vor dem start und natürlich die eine oder andere zigarette. 20 minuten vor dem start entscheide ich mich doch noch eines der zahlreichen dixies aufzusuchen, muss dort aber lange anstehen und so schaffe ich es wieder einmal nur sehr spät in die startaufstellung. natürlich wieder entsprechend weit hinten, weil ich nicht gerade der erste läufer bin, der sich einreiht und weil es auch keine wirklichen startblöcke gibt, sondern nur eine aufteilung in teilnehmerInnen an den österreichischen meisterschaften samt den restlichen spitzenläuferInnen (vor allem natürlich aus kenia) und dem rest des feldes. inzwischen hat es (laut späteren medienberichten) schon mehr als 22° C und ich mache mir nicht mehr die geringste hoffnung, dass ich meine sehr gute trainingsleistung auch nur annähernd werde umsetzen können. aber ein wohliges kribbeln hat mich dennoch erfasst, ich bin bestens gelaunt, freue mich ehrlich auf den lauf, für den ich solange trainiert habe, und bin gewillt, alles zu geben, was eben möglich ist.
um punkt 9 uhr erfolgt der startschuss und ab dem zeitpunkt an dem ich nach knappen 2 minuten selbst die startlinie passiere, beginne ich mich an läuferin um läufer vorbeizuschwindeln, um meinen schlechten startplatz wieder gut zu machen. das hat mir schon beim halbmarathon in graz durchaus spass gemacht und stört mich auch hier sehr wenig, sondern beflügelt mich eher. ein kurzer blick auf die uhr bringt mich ein wenig aus dem konzept, weil ich offensichtlich meine stoppuhr schon minuten vor dem start aktiviert habe und ich mich deswegen - die gesamtlaufzeit betreffend - an der uhrzeit orientieren werde müssen. naja was hilft's? ich mache zuerst die tafel für 22 km aus und (wohl 97 meter versetzt) dahinter den kilometer 1. ein umstand, der mir neu ist. in graz fielen die angaben, wenn auch nicht richtig aber doch einfacher zu überschauen, aus zeitnehmungstechnischen gründen zusammen. hier in salzburg werden eben nur beim viertel- und beim halbmarathon zwischenzeiten genommen. den ersten kilometer passiere ich knapp über 5 minuten. das ist zwar langsamer als trotz der hitze vorgenommen, aber immer noch ok, angesichts der vielen überholmanöver. der zweite kilometer ist auch nicht viel schneller, dafür befinden wir uns aber in richtung schloss hellbrunn und das nicht auf asphalt, sondern auf einem von bäumen gesäumten geschotterten weg. sehr schön, denke ich mir und vor allem eine schattige angelegenheit. ein umstand, der mir für die nächsten 3 kilometer etwas hoffnung gibt. ich bin absolut gut im rennen und der dritte kilometer ist auch deutlich unter 5 minuten, so dass ich guter dinge zum schloss komme. dort erwartet uns zwar die erste von drei angekündigten musikgruppen, aber weder die musik paßt besonders, noch muntert mich das gelände sonderlich auf, weil ich keinerlei sehenswürdigkeiten ausmachen kann (das mag an meinem tunnelverhalten beim laufen liegen, oder auch an der streckenführung, keine ahnung). die erste verpflegungsstelle mit wasser und powerade. ich nehme einen becher elektrolyt zum trinken (das habe ich mir für jede verpflegungsstelle vorgenommen) und einen becher wasser, um mich damit am körper abzukühlen, bzw. mir einen teil davon über den kopf zu schütten, aus hitzetechnischen gründen. es ist der letzte verpflegungsstand, wo beide getränke noch eine annähernd kühlende wirkung haben. die weiteren getränke haben ob der hitze und nicht vorhandenen kühlmöglichkeit teetemperatur. nach kurzer zeit fällt auch jeglicher schatten weg und wir sind der prallen sonne ausgesetzt. ein umstand, der auch die restliche strecke so bleiben sollte, ab und an unterbrochen von ein paar schmalen, durch häuser verursachten schattenbänder, die aber auch mit einem weiteren weg verbunden sind. zu diesem zeitpunkt noch vollkommen egal, weil ich eben einfach gut drauf bin und noch reichlich von läuferInnen umgeben, die ich größtenteils zu überholen habe. die strecke ist insgesamt schön zu laufen, wenn auch nicht gerade von sehenswürdigkeiten begleitet, wie mir scheint. aber wie gesagt, beim laufen habe ich ohnehin einen tunnelblick und bin nicht besonders empfänglich für das, was abseits der strasse passiert. hin und wieder ein paar zuschauerInnen, die einen anfeuern, das bleibt dann aber in erster linie den zahlreichen streckenposten überlassen, die es reichlich gibt.
als ich die tafel für den kilometer 30 passiere und dahinter dann die 9 sehe, wird mir das erstemal richtig bewußt, dass ich die runde noch ein zweites mal würde laufen müssen, und dann wohl kaum mehr mit der unbändigen kraft zu rechnen hätte, die ich immer noch in mir verspüre und auch nicht mehr mit den recht kurzweiligen überholmanövern, die ob der großen anzahl an halbmarathonläuferInnen immer noch mein tun bestimmen. so konzentriere ich mich langsam aber sicher auf den kilometer 17, nach dem ich versuchen will, das tempo (wie in graz, damals nach kilometer 16) noch einmal zu steigern. der glaube daran, dass mir das auch gelingen würde, ist allerdings nicht sonderlich groß, denn ich ertappe mich dabei, dass ich mich schon jetzt immer wieder dazu zwingen muss, den schritt zu beschleunigen, um meine vorgenommenen kilometerzeiten einzuhalten. dementsprechend differieren diese auch stark voneinander, mal über 5 minuten mal klar darunter. erst ab kilometer 13 bringe ich eine gewisse gleichmäßigkeit in meinen lauf und versuche auch planmäßig nach kilometer 17 zu beschleunigen. gelingt mir auch, wider erwarten. inzwischen bin ich auch jenem punkt nahe, an dem mich meine lieben in der zweiten runde noch einmal anfeuern sollen und insgeheim hoffe ich, dass sie schon jetzt den weg hierher gefunden haben. haben sie aber natürlich nicht, warum auch sollten sie sich stressen? schon gut so! ab kilometer 17 erreichen wir jedenfalls wieder eine dichter bevölkerte gegend und laufen die restlichen kilometer einmal durch einen tunnel durch, dann über die salzach mit ihrer wunderschönen grünen farbe, ein wenig der salzach entlang, vorbei am schloss mirabell, das ich ja schon von gestern kenne, wieder über die salzach drüber, zu meinem erschrecken nach rechts, also weg vom residenzplatz, wieder auf den mönchsberg zu, nach links richtung dom, vor dem dom nochmals links und dann nach einem rechtsschwenk richtung ziel. wie in graz bin ich auch heute auf den letzten kilometern vor dem halbmarathon bestens drauf, was wohl durchaus auch an der abwechslungsreichen streckenführung in diesem bereich liegt. das endlich reichlich vorhandene publikum am residenzplatz spornt mich entsprechend an, die halbmarathonzeit von unter 1:45 erfüllt eigentlich mein geplantes vorhaben und als ich nach dem ersten zieldurchlauf auch noch meine familie sehe (ich war schon kurzfristig frustriert, weil sie an sich vorher stehen sollte), laufe ich glücklich und befreit in die zweite runde. die kilometer 21 und 22 geben mit zeiten unter 4:45 zwar zur hoffnung anlass, aber die strecke ist auf einmal schrecklich leer und einsam ohne die halbmarathonläuferInnen und auch hier im schattigen teil brütet eine gnadenlose hitze. meine frau erzählt mir später, dass sie am meisten davon schockiert war, dass es schon um 10 uhr unerträglich heiss war selbst für sie als zuschauerin (das thermometer sollte jedenfalls während des marathons fast die 30° C linie erreichen). kilometer 23 laufe ich nur mehr in 4:50 und danach machen mir zwei dinge klar, dass ich heute unmöglich wieder ein negative splitting laufen kann: eine kilometerzeit von nur mehr ca. 4:55 trotz aller anstrengung und der umstand, dass ich mich schon einen kilometer weiter wähne (hier war wohl der wunsch vater meiner gedanken), als ich tatsächlich bin. mit dem bewußtsein, dass ich sehr bald wieder in der prallen sonne laufen würde, laufe ich schon mit leichter verzweiflung richtung hellbrunn weiter und schaffe es einfach nicht, die zeit wieder unter 4:50 zu drücken. nach dem leichten anstieg in hellbrunn wieder die seltsame musikgruppe, die auch den anfang jener strecke markiert, die nur mehr in der prallen sonne liegt und ich frage mich auf einmal, wo eigentlich die anderen zwei musikbands geblieben sind, von denen der veranstalter sprach (ich werde sie auch in der zweiten hälfte nicht ausmachen, wer weiss warum). komplett fertig mit mir und der welt nähere ich mich bis kilometer 28 immer mehr einer zeit von 5:00, viel zu früh nebenbei, aber dann gibt mir ein streckenposten auf einmal wieder für kurze zeit kraft. dessen lautstarke "hopp hopp"-rufe reissen mich nämlich tatsächlich aus meiner lethargie und als ich vor lauter elan einen kleinen luftsprung einlege und diesen mit einem lautstarken "also hopp" begleite, das er mit "das will ich sehen" quittiert, durchfließt mich neue kraft. kilometer 29 und 31 laufe ich wieder nahe den 4:40 und auch kilometer 30 dazwischen bleibt unter 4:50. neue hoffnung keimt auf, mein tagesziel doch einigermaßen zu erreichen, aber schon der kilometer 32 holt mich mit 5:06 zurück auf den boden der tatsachen. da helfen auch der an sich sehr schöne streckenteil mit schloss leopoldskron samt zugehörigem weiher, an dem wir vorbeilaufen, gar nichts. so schaffe ich es auch bis kilometer 34 nicht mehr, unter die 5:00 zu kommen (bis hierher wollte ich eigentlich deutlich schneller laufen, weil ich diese distanz ja noch aus dem training in den füßen habe). auf den nächsten beiden kilometern versuche ich verzweifelt den notwendigen schnitt auszurechnen, um wenigstens noch unter 3:40 zu bleiben, aber die falsch gestoppte startzeit und die affenhitze samt matschigem hirn ermöglichen mir diese einfache rechnung nicht mehr. auch eine kurze abkühlung beim durchlaufen eines von der feuerwehr bereitgestellten wasserstrahls (eiskalt, das ganze) helfen mir nicht sondern lassen in mir die frage aufkommen, wo eigentlich die großartig vom veranstalter reichlich vorhandene abkühlung durch feuerwehrschläuche tatsächlich ist, bzw. war. insgesamt glaube ich mich an 3 derartige stellen zu erinnern, bin mir aber nicht mehr sicher, ob es nicht überhaupt nur zwei waren. auch nicht gerade eine großtat des veranstalters. als mich also bis kilometer 36 mein verstand beim rechnen derart in stich läßt ich aber gleichzeitig merke, dass ich eigentlich nicht mehr langsamer werde, bäume ich mich wieder auf und schrei in mich hinein, dass ich trotz der umstände die 3:30 endzeit haben will, auf die ich eingestellt war. derart neu motiviert versuche ich zuerst einen jüngeren dann einen älteren läufer, auf die ich auflaufe, ebenfalls aufzumuntern und anzufeuern, sich von der hitze nicht unterkriegen zu lassen, hoffe eine zeitlang, dass wir zu dritt weiterlaufen würden, lasse sie dann aber hinter mir, weil sie mein tempo einfach nicht mehr halten können. wobei ich auch auf meiner 2. runde eine gute anzahl an läuferInnen überhole, einfach weil ich trotz der hitze meinen lauf gut eingeteilt zu haben scheine. zwar kraftlos aber mit neuem mut hole ich mir einen weiteren positiven kick, als ich endlich meine frau und meine beiden kinder an der vereinbarten stelle passiere, wobei es nicht einmal mehr für ein müdes lächeln für sie reicht. nebenbei denke ich mir, dass meine familie und noch zwei weitere frauen, die offensichtlich auf ihre männer warten und auch mich eifrig anfeuern, nicht wirklich von einem großen publikumsinteresse zeugen. und so quäle ich mich weiter damit, ja nicht mehr zuviel zeit zu verlieren, blicke dabei dauernd auf meine uhr, um abschätzen zu können, wie viel des nächsten kilometers ich schon hinter mich gebracht habe. auch habe ich da wieder das glück, nun in den abwechslungsreicheren teil der strecke einzulaufen. wirklich zeit verliere ich nur auf kilometer 37 und 40, weil ich dort fürs trinken stehenbleibe und mir das wieder anlaufen extrem viel überwindung kostet. dazwischen werde ich von einem läufer überholt, überhaupt der einzige, der mich aus meiner erinnerung heraus überholt hat auf der zweiten runde (auch das mag reine einbildung sein, ein blick auf die halbmarathonzeiten aller läuferInnen bestätigt mich dann aber später einigermaßen). vor der 41 kilometermarke erschüttert mich ganz kurz der umstand, dass ein läufer, der so schnell wie ich unterwegs war und entsprechend auch gut vorbereitet sein mußte, trotzdem zum gehen gezwungen wird und ich selbst schaffe es wieder (sogar deutlich), auf unter 5:00 zu beschleunigen. den letzten kilometer durch die altstadt trägt mich dabei nur mehr das wissen, es gleich hinter mir zu haben. kurz vor dem letzten schwenk auf den residenzplatz feuert mich noch ein letztes mal meine familie an und ich schaffe es diesmal sogar, beim zieldurchlauf das victoryzeichen zu formen und meine hände einigermaßen in die höhe zu nehmen. die offizielle zeittafel zeigt 3:30:29 an und damit weiss ich, dass ich selbst es tatsächlich geschafft habe, mit meiner nettozeit unter diesem wert zu bleiben. das befriedigt mich zwar deutlich, kann aber die totale erschöpfung und leere nicht von mir nehmen.
im läuferInnenbereich nach dem ziel erspähe ich tatsächlich das ausgeschenkte bier, nehme den ersten becher gleich einmal auf ex und schnappe mir einen zweiten mit dem ich mich auf den weg zum brunnen am residenzplatz mache. ich umarme dort meine familie und traue mich nicht in den brunnen zu springen, auch wenn ich eine derartige abkühlung in diesem moment als das absolute paradies empfunden hätte. robi besorgt mir dafür einen leeren becher mit dem ich mir reichlich brunnenwasser über kopf und körper schütte und ich wende mit müh und not den einen oder anderen weinkrampf ab, zu dem mich meine erschöpfung verleiten will. langsam erhole ich mich und erkenne, nachdem ich sicherheitshalber auch meine frau kosten lasse, dass das vermeintliche bier nur ein recht seichter radler ist. keine ahnung auch, ob der erste becher tatsächlich mit reinem bier gefüllt war. der geschmacksinn war mir verloren gegangen und ich nahm nur die kühle der flüssigkeit wahr, die alles hätte sein können zu diesem zeitpunkt. ich besorge mir noch einen dritten becher und ein stück hervorragenden kuchen (dafür und auch für das bier/die radler wieder großes lob an den veranstalter) und mache mich dann wieder begleitet von robi auf den weg zu den duschen. die sind eiskalt, so kalt, dass es mir schon kopfschmerzen bereitet, beim abwaschen des haarshampoos, aber auch egal. ein paar lockere gespräche mit anderen läufern, mit meinem aktivgel die füße eingeschmiert und ich kehre wieder als mensch auf den residenzplatz zurück. dort beginnt gerade die siegerehrung aber ich mache mich auf in den schatten, wo birgit und lukas auf uns warten. in der brütenden hitze ohne ausreichend sitzgelegenheit wäre es ohnehin unmöglich, der siegerehrung zu folgen. kurz noch begebe ich mich zur laufstrecke, um noch ein paar läuferInnen anzufeuern, das bin ich mir angesichts des geringen publikumsinteresses, das inzwischen herrscht, einfach schuldig und danach nötige ich die meinen, uns noch auf ein zwei bier bzw. auf eine schnitzelsemmel in das veranstaltungszelt zu setzen. auch dort kaum betrieb und stimmung und so nehme ich einen anruf von martin entgegen, der nach meinem befinden fragt, rufe selbst meinen bruder, meine eltern und karin an, die mich auch um mitteilung meiner laufzeit gebeten hatte und warte nur mehr darauf, dass die ergebnisliste auch meinen namen beinhaltet. um 1/2 3 herum ist es dann endlich soweit und meine frau, die immer wieder eifrig nachgeschaut hat, teilt mir meine offizielle zeit mit:
03:28:47 - 164. von insgesamt 635 starterInnen (davon 66 DNF); AK 28. von 95 finishern
wir trinken gleich aus, und gehen langsam zum auto. zum einen, weil hier ohnehin nichts los ist, zum anderen, weil vor allem robi von der hitze gezeichnet ist und endlich weg will. ich fahre selbst, finde auch gleich aus salzburg hinaus und registriere, dass mein display im auto 32° C anzeigt. unfassbar und eigentlich vollkommen irre, da einen marathon gelaufen zu sein.
auf der heimfahrt resumieren meine frau und ich dann noch wie folgt:
auch wenn sich der veranstalter im großen und ganzen sehr bemüht hat, die vielen helferInnen ausnehmend entgegenkommend und freundlich waren und auch der bürgermeister von salzburg erkannt hat, dass so eine marathonveranstaltung auch monetär sehr viel bringt: der doch etwas versnobten kulturstadt salzburg wird das wohl auch in zukunft herzlich egal sein und sie wird diese veranstaltung eher als belastung empfinden, denn mit interesse verfolgen. dementsprechend sind wir zwar froh hier gewesen zu sein, salzburg wird uns aber zumindest bei einem marathon nicht mehr wiedersehen.
ausserdem bin ich seit heute der schnellste marathonläufer, den wir persönlich kennen. ;-)) denn auch mein leobner bekannter arnold, der mir beim grazer halbmarathon noch klar gezeigt hat, wer der schnellere ist, hat als bestzeit eine zeit über 3:31 stehen. und das ist etwas, dass mich endlich richtig stolz macht auf meine heutige leistung und endlich jene glückshormone ausschüttet, die das laufen zu einem so interessanten und schönen sport machen.
[zurück zur Übersicht]