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[12.10.2014] Grazmarathon
gescheit gescheitert, DNF die zweite ...
was soll ich schon sagen? als ich sonntags von birgit geweckt wurde, hatte ich doch tatsächlich das gefühl, dass ich alles richtig gemacht hätte. das aufstehn fiel leicht, die beine fühlten sich erstmals seit langem richtig gut an und ich war ausreichend ausgeschlafen. irgendwie war alles wie früher, sogar der kaffee wirkte und auch meine urängste, nicht aufs klo zu können vor dem lauf, wurden entkräftet. nervosität und vorfreude hatten sich ohnehin schon die tage davor eingestellt und ich war wieder einmal richtig heiss auf die anstehende herausforderung. auch der umstand, dass es bei uns blauen himmel hatte, machte mich noch nicht wirklich besorgt, da ja an sich das grazer becken für seine nebellage bekannt ist, und damit die hoffnung bestand, dass es zumindest einmal eine zeitlang ohne sonne dahingehen würde. diese hoffnung wurde vorerst auf der fahrt nach graz auch bestärkt, fand aber dort angekommen ein jähes ende. wolkenloser, blauer himmel. auch egal. martin übernahm mein auto am lendplatz, um es für mich zu parken, weil ich dafür einfach schon zu wenig zeit hatte und mir zusätzlichen stress ersparen wollte. und so marschierten birgit und ich schön langsam und gemütlich richtung oper. am eisernen tor ende der herrengasse machte ich mich dann kleidungstechnisch fertig und 15 minuten vor 10 uhr war ich pünktlich im läuferInnenbereich des startgeländes. längst schon hatte ich die stimmung in mich aufgesogen und die positive spannung stieg deutlich. blauen himmel und ansteigende temperaturen ignorierte ich einfach, es half ja ohnehin nicht. meine kleine welt war bis zu diesem zeitpunkt also noch bestens in ordnung.
am start stehend, mit ameisen in den beinen, ärgere ich mich dann nochmal kurz darüber, dass der zweite block erst fünf minuten nach dem ersten losgeschickt wird. das war ich bislang nicht gewohnt, aber dann geht es auch für uns endlich langsam los richtung startlinie. ruhig bleiben, langsam und besonnen loslaufen hämmert es in meinem hirn und ab geht die post. links vorbei an läuferInnen, rechts vorbei, mitten durch sie durch, und dabei selbst immer wieder überholt werden. das übliche startgeplänkel halt, das mich zu meinem größten erstaunen in 4:47 zur ersten kilometermarke bringt. vollkommen irre also bloss runter vom tempo. erstens hatte ich mir (wenn's wirklich läuft) für die ersten 16 kilometer einen schnitt von 5:15 min/km vorgenommen, um es mit auf und abs am zweiten teil dann vielleicht so um die 3:42 ins ziel zu schaffen. und zweitens droht ja wieder einmal eine hitzeschlacht, also bitte gescheit sein. der zweite kilometer fühlt sich dann nicht anders an, ist aber mit 5:18 sehr deutlich langsamer. devise also einfach schauen, dass die einzelnen kilometerzeiten im vorgenommenen rahmen bleiben und den lauf "geniessen". das tue ich zu diesem zeitpunkt auch aus ganzem herzen. wie in den anfangszeiten habe ich zwischendurch sogar mit der rührung zu kämpfen, die mich ob der läuferInnen um mich und dem applaudierenden publikum einfach überkommt. mit 5:08 an der dritten marke vorbei, zu schnell verdammt zu schnell, und bei der ersten verpflegungsstelle einmal geschaut, wie's heute dort so zugeht. chaotisch ist mein eindruck, aber ich habe ohnehin vor, erst ab kilometer 6 mit dem regelmäßigen trinken des bereitgestellten isotonischen zeugs zu beginnen. inzwischen bin ich schon klatschnass am ganzen körper, aber das nehme ich nicht als erstes warnsignal wahr, sondern einfach nur zur kenntnis. die neue streckenführung nach andritz hinaus ist jetzt auch nicht wirklich ein optischer höhepunkt, aber beim laufen habe ich ohnehin tunnelblick und konzentriere mich darauf, niemanden draufzusteigen und auch selbst nicht umgerempelt zu werden. kilometer 4, 5 und 6 jeweils in 5:12 hinter mich gebracht und ich bin dabei meine renntaktik dahingehend zu überdenken, dass ich dann halt nach kilometer 16 nicht versuchen würde, das tempo leicht zu erhöhen, weil ich ohnehin schon im zeitguthaben wäre, sondern diesen schnitt dann halt bis kilometer 32 beibehalten würde, so es mir möglich sei. zuviel konjunktiv, wie sich später herausstellen wird.
in der zwischenzeit kommen uns die ersten läuferInnen entgegen und ich freue mich schon auf die wende in andritz, die auch mich wieder stadteinwärts bringen wird. zuerst aber einmal die erste getränkeaufnahme, und mein erster eindruck wird auch voll bestätigt: der dichte der läuferInnen wird mit einer viel zu kleinen labestelle wenig entgegengewirkt und es ist unmöglich, sich auch nur einigermaßen ohne laufstopp mit einem becher zu versorgen und nicht von irgendeiner seite fast umgerempelt zu werden. kann ja nur noch besser werden hoffe ich, und nehme die 5:25 bei kilometer 7 als unmittelbare folge zur kenntnis. also wieder ein wenig zeit aufzuholen, denke ich mir dummerweise. auf halber strecke zu kilometer 8 geniesse ich dann auch noch die wende und den ausblick auf die läuferInnen auf der anderen strassenseite unter dem aspekt, nunmehr selbst derjenige zu sein, der schon wieder auf dem rückweg ist. die 4:30 für den kilometer 8 machen mich dennoch stutzig und ich bin mir nicht mehr wirklich sicher, ob die kilometrierung in ordnung ist. folgerichtig gehe ich vom tempo und lande in 5:21 bei kilometer 9. das nimmt meine zweifel auch nicht wirklich, aber egal, ich kann ja auf mein gefühl horchen. gute idee, wirklich gute idee an diesem tag. eine gewisse gleichmäßigkeit bekomme ich auf den nächsten kilometern dennoch wieder in meinen lauf und die getränkeaufnahme knapp vor kilometer 11 bekomme ich auch besser hin. also, dran bleiben und dann am lendplatz schauen, ob ich martin und ursi sehe, die ja dort wohnen und vielleicht kurz auf mich warten, ehe sie sich dann mit birgit bei der radetzky-brücke treffen, um mich gemeinsam anzufeuern. irgendwie verliere ich nach überquerung der mur aber meine orientierung und glaube schon am lendplatz vorbei zu sein, ehe ich den beiden doch noch kurz am strassenrand zurufen kann, um sie auf mich aufmerksam zu machen. die warten nämlich just in diesem moment eigentlich nur darauf, die strasse überqueren zu können. unsere begegnung ist also reiner zufall, wie ich später erfahre. egal, sie puscht mich weiter zu kilometer 15 und alles scheint in bester ordnung.
plötzlich aber beginne ich schatten zu suchen und nehme auch die zu hohen temperaturen erstmals deutlich wahr. tempo herausnehmen schreit es in mir, wohl zu spät, wie sich herausstellt. die 5:20 am kilometer 16 sind durchaus ok und hätten mich auch locker unter 3:45 ins ziel gebracht, aber ich beginne an mir zu zweifeln. bei der labestelle gleich darauf unbeschreibliche unprofessionalität: drei leute die hinter den tischen stumm auf die leeren becher schauen, davor ein fass isotonisches getränk zu drei viertel leer, und läuferIn ist selbst aufgefordert, einen becher daraus zu schöpfen. habe ich und wohl andere mitläuferInnen um mich noch nie erlebt. also nochmals deutlich aus dem ohnehin schon stark beeinträchtigten rhythmus gebracht und auch eine zeit von 5:43 für diesen kilometer 17. ich nehme noch einmal tempo auf, aber mir brennt sich ins hirn, dass ich den marathon nicht schaffen werde. möglicherweise verglühen in andritz zwichen kilometer 24 und 27, oder doch beim halbmarathon austeigen. für letzteres entscheide ich mich und teile das nach kilometer 18 auch birgit, ursi und martin mit, die mich erwartungsgemäß lautstark anfeuern. kurzes hochgefühl ob dieser begegnung und ein kurzer gedanke, einfach das tempo komplett heraus zu nehmen, und den marathon halt irgendwie und in irgendeiner zeit zu ende zu laufen, bestärkt durch einen relativ flotten kilometer 19 in 5:12. aber gleich darauf die angst nicht einmal mehr ins halbmarathonziel zu kommen, weil ich kurzfristig das gefühl habe, kein fünkchen kraft mehr in mir zu haben. auch cousin jürgen samt freundin brigitte und töchterchen ella können mich nicht mehr aufmuntern, und so habe ich damit zu tun drei streckenposten davon zu überzeugen, dass ich mich nicht auf der strecke verirrt habe, als ich von der marathonstrecke abbiege, sondern einfach nur mehr ins halbmarathonziel will. dieses ziel vor augen schaffe ich es, die letzten 1100 meter noch mit einem schnitt von 4:46 min/km durchzupeitschen und merke an meiner erschöpfung nach abdrücken meiner stoppuhr, dass meine entscheidung für diesen tag die einzig richtige ist. zumal ich diesmal immerhin für den halbmarathon gewertet werde.
1:49:19 1121. von 3560 hm-finisherInnen (101. M50 von 353)
nicht wirklich eine brauchbare zeit, aber immer noch deutlich im ersten drittel, und damit die gewissheit, nicht der einzige gewesen zu sein, dem die hitze probleme bereitet hat. kein trost auch der gedanke, dass ich bei vernünftigerer laufeinteilung vielleicht auch den ganzen marathon geschafft hätte. ich muss wohl noch ein wenig älter werden, um diesen grad der vernunft auch zu erreichen. dennoch ein ergebnis, mit dem ich leben kann, ohne zu wissen, ob ich noch einen weiteren versuch unternehmen werde, den 5. marathon zu vollenden. time will tell ...
nach dem ziel hängten anders als sonst keinerlei nette menschen den läuferInnen die wohlverdienten erinnerungsmedaillen um, sondern man musste sich diese selbst erspähen und besorgen. ich nahm gleich zwei, irrtümlich, verzichtete aber darauf, diese den rest des tages auch sichtbar zu tragen, aus gründen. an der labestelle wollte ich dann noch einmal dieses blaue gesöff zu mir nehmen, wurde aber sehr höflich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass das hierorts nur den marathonläuferInnen vorbehalten sei. ich wies ein wenig weniger höflich darauf hin, dass ich mir dieses recht mit meiner marathonstartnummer wohlerworben hätte. das leuchtete ein und nach einem schnell gekippten becher machte ich mich - anfangs begleitet von martin, ursi und dann auch birgit, die schon auf mich warteten - auf den mühsamen und vor allem viel zu weiten weg zu den waschgelegenheiten. nichts desto trotz war meine erschöpfung nach einer ausreichenden dusche wieder einigermaßen abgeschüttelt, und ich verbrachte mit der halben familie - auch luki und jenni stießen bei gastgarten, pizza und bier noch zu uns - einen auch für mich sehr angenehmen nachmittag im sommerlichen graz, was den tag auch absolut positiv abrundete.
aber ganz egal was mir meine läuferische zukunft noch bringen mag: am grazmarathon nehme ich (wenn es sich ergeben sollte und ich hoffe sehr darauf) nur noch in einer staffel mit meinen drei söhnen teil, das dann aber als schlussläufer. ;-)
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