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[10.09.2011] LE-Laufevent Staffel
irgendwie ein neubeginn, und das ist gut so ...
als ich diesen samstag um 10 uhr aus dem bett stieg, war mein erster gedanke, dass meine füsse nicht annähernd erholt sind, und ein blick auf den vollkommen wolkenlosen himmel ließ mich noch einmal erschaudern: was sollte das heute wohl werden?
es stand nämlich das "Leobner Laufevent" an, für das ich zusammen mit meinen lieben arbeitskolleginnen barbara und brigitte angemeldet war. die beiden hatten vor einiger zeit gemeinsam zu laufen begonnen, und da sie sich nicht schlüssig waren, ob sie es als einzelstarterinnen wagen sollten, habe ich mich kurzerhand entschlossen, mit ihnen die mix-staffel zu laufen. am donnerstag hatten wir erstmals gemeinsam eine runde gedreht, um einmal ein wenig tempo ins spiel zu bringen, und heute war's soweit, dass die beiden ihr wettkampfdebut liefern würden. nachdem ich ja selbst schon endlos keinen mehr gelaufen bin, und in letzter zeit auf tempo weitgehend verzichtet habe, waren wir alle drei nicht annähernd in der lage, wirklich einzuschätzen, welche zeiten wir zu laufen im stande sind.
der lauf war über 66 minuten mit einer länge von 1450 metern pro runde veranschlagt, wobei nach 66 minuten die angefangene runde fertiggelaufen werden sollte. meiner einschätzung nach würden wir sichere 9 runden schaffen, mit ein wenig glück und konstanz sogar 10. die zeitvorgaben, die ich dabei für die beiden debutantinnen annahm, verursachten vor allem bei barbara nur ein kopfschütteln, während brigitte die sich jedenfalls zutraute, meiner wahrnehmung nach. ihr sagte ich einen schnitt von 5:00 voraus, barbara einen schnitt von 5:30. mir selbst erschienen im moment 4:30 gerade so möglich, weil ich einfach aus meinen letzten laufmonaten heraus nicht das gefühl hatte, meine beine über längere zeit schneller bewegen zu können.
so schnürte ich meinen rucksack, zog mir meine laufbekleidung an (ein neues funktionsshirt war uns neben dem nenngeld vom betriebsrat gesponsert worden, weil wir ja auch für die firma starten würden) und machte mich kurz vor 12 uhr auf dem weg zum hauptplatz, wo ich meine beiden laufpartnerinnen treffen und um 13 uhr dann der start erfolgen sollte.
tja, und kaum kam ich dort an, erblickte start- und zielbogen, und sah meine kolleginnen, die schon ein wenig aufgeregt schienen, im von christine betreuten firmenpavillon, legte sich bei mir ein schalter um, und es stellte sich tatsächlich das altbekannte wettkampffieber samt zugehöriger leichter nervosität ein! auch barbara und brigitte waren ein wenig vom warmen wetter betroffen und jammerten herum wie die profis, was ihnen nicht alles fehlte und wie schlecht sie sich fühlten, aber das gehört im vorfeld eines laufes einfach dazu!
wir brachten unsere startnummern an, ich zeigte den beiden wie der zeitmessungschip zu montieren sei, und die bestens gelaunte christine scheuchte uns zusammen, um ein foto von uns zu machen. danach wollten sie unbedingt noch einen teil der strecke abgehen, um nur ja zu wissen, wo's lang gehen würde. ich rauchte lieber eine, und sagte ihnen nur, dass sie um 12:30 wieder da sein müßten, damit wir uns noch ein wenig einlaufen könnten. uff, die hitze schien uns schon dabei zu erschlagen, obwohl wir uns nur sehr langsam und deutlich kürzer als geplant in bewegung setzten, und irgendwie konnte ich mich des eindrucks nicht erwehren, dass wir alle drei schon unser ziel als mission impossible abgehakt hatten. zurück am hauptplatz plauderte ich noch kurz mit ein paar anderen starterInnen, die ich so traf, und wir machten uns auf die suche nach dem start und den modalitäten für den staffelwechsel. die wurden dann auch vom sprecher angesagt und ich schickte brigitte in die startaufstellung, wo sie sich gleich ganz vorne platzierte, da es für die erste runde keine nettozeitnehmung geben würde (start und ziel waren nicht ident). an sich hätte ja auch ich den startläufer gemacht, aber brigitte sollte ruhig einmal die erfahrung sammeln, wie es so ist, im feld auf den startschuss zu warten.
und so zappelt sie bald schon nervös hinter dem startband auf und ab, verspricht mir auf mein mahnen hin hoch und heilig, dass sie es ruhig angehen wird, und düst dann erst wie von taranteln gestochen davon, sobald von 10 herunter gezählt und der startschuss gefallen ist. na bravo, denke ich mir noch, die gute will es aber wirklich wissen. so mache ich mich sicherheitshalber noch schnell auf zum klo, weil ich auch immer zappeliger werde, und treffe barbara in der wechselzone wieder. beide sind wir mehr als gespannt, wann wir brigitte wieder zu sehen bekommen werden, und als wir sie nach 5 minuten hinter dem starttor in richtung hauptplatzumrundung vorbeilaufen sehen, sind wir erstmals so richtig baff an diesem tag, und mir schwant schon jetzt böses. hat die liebe kollegin also wieder einmal der unbändige ehrgeiz gepackt, denn so schnell haben wir sie in den kühnsten träumen nicht erwartet. eine gute, vor allem aber gefühlt sehr lange minute später, klatsche ich brigitte dann ab und nun ist es an mir, ihre wahnsinnszeit zumindest zu egalisieren, so ehrgeizig bin ich dann selbst noch allemal.
und ohne gefühl für tempo und distanz stürme ich halt los, so gut es geht. überhole da, werde überholt, schaue ein erstes mal auf die uhr und erschrecke ordentlich, als erst eine minute vergangen ist. alles in allem denke ich, kommt mir das ganze deutlich kürzer vor, als ich es normaler weise als fussgeher gewohnt bin. ich gelange hinten am LCS vorbei leicht bergab zum kreisverkehr nähe Chinesisches Tor und weiter geht's richtung leobner Monte Carlo-tunnel. anfangs noch bergab, was meinen beinen durchaus entgegenkommt, aber als es dann gerade wird, merke ich doch, dass die beine nicht endlos kraft haben werden, für dieses tempo. nach dem tunnel geht's dann nach rechts, gott sei dank nur kurz aber einigermaßen heftig bergauf und durch das LCS durch. am hauptplatz schlottern mir schon ein wenig die knie, aber als ich an christine vorbei beim start angelange, sehe ich auf meiner uhr, dass ich schneller bin als brigitte. also noch die hauptplatzumrundung durchhalten bis zum zielbogen, die kurze strecke zur wechselzone ja nicht nachlassen und endlich kann ich mit barbara abklatschen, die ihrerseits loszieht, als ginge es um unser aller leben.
ich brauche ein wenig zeit zum durchschnaufen, aber dann kann ich brigitte, die schon wieder gut erholt scheint, zu ihrer fantasiezeit für die erste runde gratulieren. mit einem schnitt von knapp über 4 Minuten pro kilometer hat sie unser beider erwartungen deutlichst übertroffen, unfassbar. allerdings ist sie vor allem die erste gerade viel zu schnell angegangen, hat sich insgesamt ein wenig zu sehr verausgabt und kündigt schon an, dass sie diese runde nicht mehr wird wiederholen können. alleine schon wegen der weiter steigenden temperaturen, über die wir beide ein wenig jammern. ich selbst bin einfach erstaunt, dass ich die erste runde mit einem schnitt von 3:52 laufen konnte, weiss aber auch, dass ich das kein zweitesmal mehr schaffen werde. vollkommen egal, ich war unter 4:00 schnitt (was ich mir selbst in der optimistischsten prognose nicht zugetraut hätte) und ich war schneller als brigitte! und zack sehen wir barbara oben beim starttor vorbeilaufen, ebenfalls sehr viel schneller als erwartet, und meine "befürchtungen" verdichten sich immer mehr, aber ich lasse sie einstweilen noch unausgesprochen. und mit letztem einsatz kommt barbara dann schon um die kurve, kämpft auf den letzten metern weiter wie wie eine löwin, klatscht mit brigitte ab, die doch ein wenig vorsichtiger als in der ersten runde losrennt, und lässt einmal alles fallen, um kräftigst durchzuschnaufen.
auch barbara hat die von mir veranschlagte zeit mit einem schnitt von ca 4:40 klar unterboten, und nachdem sie wieder ein bisserl luft bekommt, kann ich sie gar nicht hoch genug loben. in der zwischenzeit kommt brigitte wieder oben am start vorbei, wie angekündigt deutlich langsamer (in etwa in barbaras zeit) und schickt mich alsbald erneut auf die reise. langer rede kurzer sinn, ich muss wie erwartet ein paar federn lassen und kann meine zeit der ersten runde nicht wiederholen, bin aber mit einem schnitt von ca. 4:10 immer noch sehr zufrieden, als ich wieder an barbara übergebe. und damit ist eines klar, wenn sich auch sie nicht wesentlich verschlechtert auf der zweiten runde, sind unsere überlegungen, wer die 10te runde laufen sollte hinfällig. denn dann müssen wir ohnehin 11 laufen und ich jedenfalls ein viertes mal auf die piste. als barbara nur wenig langsamer wieder in unserem blickfeld auftaucht, versuche ich brigitte dazu zu überreden, ihre dritte runde ganz gemütlich anzulegen, damit sie ganz sicher ohne probleme die vierte laufen kann. barbara kämpft sich wieder mit allerletzter kraft ins ziel, und verliert dabei deutlich weniger zeit auf ihre erste runde als wir zwei anderen. als sie genug verschnauft hat und wieder gerade stehen kann, klage ich ihr mein leid bezüglich der vierten runde, aber sie scheint mir genausowenig überzeugt, dass sie ihre letzte runde deutlich langsamer laufen will, um mich zu schonen. ;-)) tja, und brigitte hat zwar in hinblick auf die vierte runde, auf die sie jedenfalls geschickt wird, ein paar sekunden herausgenommen, aber als ich wieder loslaufe, ist mir schon klar, dass mich meine mitleidserregenden appelle an die zwei nicht vor einer vierten runde bewahren werden. inzwischen sind natürlich auch die anderen läuferInnen deutlich von der hitze gezeichnet, und so schaffe ich es dennoch, durch viele überholmanöver abgelenkt, wieder ein ganz klein wenig schneller zu werden. vorbei an christine, die inzwischen bei der getränkeausgabe mithilft, motiviere ich mich für den rest der hauptplatzrunde und bin bei der übergabe an barbara erstmals so richtig am schnaufen. die kämpft auch auf ihrer dritten runde wie eine löwin, ist zwar wieder nicht sofort ansprechbar, als sie in die wechselzone hereinkommt, kann aber bald schon das ganze als erledigt abhaken und sich herzlich darüber freuen, dass sie in der dritten runde wieder nicht wesentlich an zeit verloren hat. christa (arnis frau, die ebenfalls erst heuer zu laufen begonnen hat) macht sich auf in ihre schlussrunde, und ich erkläre barbara meinen eben gefassten plan, auf christa aufzulaufen und dann schön langsam und ruhig mit ihr gemeinsam den lauf zu beenden. nur keinen stress mehr! inzwischen erfüllt mir brigitte natürlich nicht meine letzte hoffnung, dass sie die letzte runde einfach nur mehr genießt, sondern brettert in unvermindertem tempo durch die gegend und übergibt mit einem breiten, schadenfrohen grinsen ca. eine minute vor zielschluss ein letztes mal an mich. erstaunlicherweise kann ich mein tempo gut halten, und so laufe ich zwar ca. zur hälfte der strecke auf christa auf, beglückwünsche sie aber nur kurz im vorbeilaufen, und kämpfe mich ein letztes mal an christine vorbei ins ziel. die unfassbaren 11 runden sind geschafft, ein nicht einmal erträumter wahnsinn.
15,9 km in 1:10:40 26. von 54 staffeln (9. von 24 mix, alle vor uns mit zwei männern)
nachdem die zwei mädels beim zielbogen auf mich gewartet hatten, gratulierten wir uns herzlichst und machten uns auf den weg zu unserem guten geist, christine. nach einer ganz kurzen erholphase konnten wir drei dann so richtig um die wette strahlen, ob des guten ergebnisses und einer laufleistung, die wohl alle unsere erwartungen bei weitem übertroffen hatte. vor allem für die beiden debutantinnen war's ein fantastischer einstieg und ein eindrucksvoller beweis, was sie schon jetzt im stande sind zu leisten. bei brigitte einmal die unfassbare schnelligkeit ihrer ersten runde, aber auch die leichtigkeit mit der sie dann danach die angedachte zeit deutlich unterbieten konnte. bei barbara die förmliche leistungsexplosion gegenüber dem training, die konstanz, aber vor allem der unbändige wille, sich auch dann noch durchzubeissen, wenn's richtig weh tut. mir selbst war's ein deutlicher hoffnungsschimmer, dass ich mich entgegen jeden glaubens doch noch in schnellerem tempo bewegen kann, und damit tatsächlich eine art neubeginn. vor allem aber eine super motivation für die weitere laufzukunft.
alles in allem ein perfekter lauftag mit sehr starkem wiederholungsanreiz, den wir zuerst noch bei der siegerehrung bei bier und pasta, und später dann am abend zusammen mit meiner frau birgit in unserem stammlokal gemütlich ausklingen liesen. das zufriedene grinsen wird bei uns noch ein paar tage anhalten, denke ich.
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