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[27.06.2009] Veitscher Grenzstaffellauf - 3. Staffelläufer
von DÖF, vermeintlichen trainingsläufen und einer neuen welt ...
ja, wo und wie fang ich an? viel zu viele eindrücke sind hängen geblieben, aber gut:
um 6:40 stand ich also auf der straße vor unserem wohnblock und wartete auf die erste bekanntschaft, die ich heute machen würde. max, den ich über das laufen-aktuell-forum kennengelernt hatte und mit dem, obwohl auch in leoben wohnhaft, ich es nicht geschafft hatte, uns schonmal vorab zu einem bier zu treffen. der war so nett, den fahrer für uns beide zu spielen. die doch recht frühe uhrzeit hatten wir am vorabend am handy fixiert, weil er als 2. läufer unserer staffel schon um 8:30 mittels bus zum staffelübergabeplatz aufbrechen mußte und keinen stress wollte, in aller früh! gut so, und zwei zigaretten später kam er auch tatsächlich daher. und was soll ich sagen, er hatte vom ersten augenblick an die sympathie bestätigt, die ich ihm ohnehin schon über's internet entgegengebracht hatte. trotz der für mich tödlich frühen uhrzeit plauderten wir munter dahin, auf unserer fahrt in die veitsch, und so waren wir nicht nur wie im flug dort, sondern fanden auch recht bald einen parkplatz, auf dem wir zufällig einen anderen bekannten aus leoben trafen. reini, der mich zwar nicht sofort wiedererkannte (naja, ein wenig ist meine optik doch verändert, seit wir uns das letzte mal gesehen hatten), aber mir dann wieder einmal vor augen führte, wie sehr ich mich doch verändert hatte (äußerlich) in den letzten jahren. ich nahm's als kompliment.
der betrieb im festzelt war kein riesengroßer, aber dennoch konnten wir unseren dritten mann, volker, nicht ausmachen. gut, auch den kannten wir nur von einem kleinen avatar aus dem schon erwähnten lauf-forum und so bemühte max sein handy, um nach seinem verbleib zu fragen. volker, der schon seit ein paar tagen hier mit seiner frau und seinen beiden töchtern urlaub macht, war noch beim frühstück, stand aber ein paar minuten später vor uns. und auch hier täuschte mich mein gutes gefühl nicht: der nächste neue bekannte, den ich auf anhieb mochte. leicht nervös war er schon. aber immerhin war er auch der erste läufer unserer staffel namens DÖF (deutsch österreichisches feingefühl nach prokopetz, tauchen und den humpe-schwestern, deren motto - "düse, düse, düse im sauseschritt" mich neben der tatsache, dass volker eben extra aus deutschland angereist kam, zu dem staffelnamen brachte). so nervös, dass er zwar am vorabend wie angekündigt die startersackerl samt funktionsshirt und diverse andere sachen abgeholt, dabei aber irgendwie die startnummern vergessen hatte (sorry volker, mußte erwähnt werden, weil es dich auch gleich so besonders liebenswert gemacht hat ;-)). die waren aber schnell nachbesorgt, weil ohnehin schon von der organisation hinterlegt, und so konnte max gleich eine dame überreden, ein foto von uns drei hübschen zu machen. bei angeregter plauderei lernten wir auch noch kurz volkers liebenswerte frau und seine beiden töchter kennen, verabschiedeten mit den besten glückwünschen noch max zu den bussen und fanden uns am vorraussichtlichen startplatz ein, der vor allem daran zu erkennen war, dass sich immer mehr läuferInnen dort versammelten. und da fiel auch mir auf, was volker schon vorher kurz erwähnt und angedeutet hatte: irgendetwas war anders, als bei allen anderen veranstaltungen, denen ich bisher beigewohnt hatte. irgendwie sahen alle anderen teilnehmerInnen sportlicher, besser trainiert und leistungsfähiger aus, als ich selbst. keine zwei drittel läuferInnen, von denen ich gesagt hätte, dass ich wohl noch ein leistungsorientierterer hobbyläufer wäre, als sie selbst. mir wurde erstmals klar, dass hier ich zu jenen gehören würde, die ganz weit hinten unter ferner liefen im ergebnis aufscheinen werden. da wurde auch mir auf einmal ein wenig mulmig. zwar hatte ich schon in den letzten tagen für mich festgestellt, dass ich dem lauf heute grundsätzlich ein wenig zu respektlos entgegengetreten war, mit verkorkstem frühjahr und keinerlei ernsthafter vorbereitung für gelände und berg, aber irgendwie schien mir das immer noch deutlich zuwenig respekt gewesen zu sein. egal, ein lauter böllerschuss holte mich aus meinen gedanken zurück und ich hatte gerade noch zeit, volker alles gute zu wünschen und einen anderen läufer zu begrüßen, den ich aus leoben kannte.
auf einmal auf mich allein gestellt, ging ich zurück zum zielgelände und schaute mir ein letztesmal strecke und höhenprofil des laufes an:
volker muss auf vorwiegend bergauf führenden wegen über 18,5 kilometer 995 höhenmeter überwinden, bevor er dann wohl redlich verdient an max übergeben kann. der wird dann auf 16 kilometer nicht nur 886 höhenmeter überwinden, sondern vor allem den endlos langen, steil bergauf steigenden teufelssteig bezwingen, den wohl die wenigsten durchlaufen werden. die zweite hälfte führt ihn dann zwar stetig bergab, aber das wird nach dem kraftakt vorher wohl auch nicht unbedingt nur eitel wonne sein. ich selbst brauche dann nur mehr die letzten 21 kilometer ins ziel bringen, die zwar auch noch (fast läppische im gegensatz zu den anderen teiletappen) 449 höhenmeter in sich bergen, aber vorwiegend bergab führen, noch dazu zurück ins ziel und als trainingslauf geplant.
jaja, so einfach stellte ich mir das noch vor zu diesem zeitpunkt, holzkopf ich. reini den ich alsbald wiedertraf und den ich über seine vorjahreserfahrungen befragte, machte mir auch noch entsprechend mut, als er meinte, dass es ihm letztes jahr viel angenehmer vorgekommen war, als er es vermutet hätte. mit der einen oder anderen tücke zwar, aber eben halb so schlimm (im ziel klang er dann auch ganz anders, wahrscheinlich wollte er mich nur in sicherheit wiegen ;-)). jedenfalls teilte er mir im weiteren gesprächsverlauf, der uns über gott und die welt plaudern ließ und in der er auch kenntnis von meinen läuferischen erfahrungen bekam, mit, dass er mir jedenfalls eine zeit unter 1:50 zutraute. wie seltsam, dass das eine zeit war, die auch mir so (allerdings nur im besten aller fälle) durch den kopf gegangen war. letztendlich hatte ich mich mit mir geeinigt, dass eine zeit knapp unter zwei stunden deutlich realistischer sein würde. und während wir so plauderten beim warten auf den bus, verkürzte uns auch noch eine ältere dame die zeit (auch während der busfahrt), mit erzählungen über ihre beiden buben (dem eigner-express), die sie auch hierher begleitet hatte und die offenbar wohlbekannt waren, in der ultra-laufszene (egal ob 100km-lauf, die 24 stunden von wörschach, oder wo auch immer die beiden schon teilgenommen hatten). und so fanden wir uns alsbald im bereich der zweiten staffelübergabe auf der klein-veitschalm ein, wo alle anderen läuferInnen schon deutlich früher angekommen waren (reini und ich hatten als einzige läufer auf den zweiten bustransfer zu warten) und wo ein doch recht kühler wind wehte. und so vertrieb ich mir die zeit mit einem kurzen strecken- und läuferInnenstudium, und hielt mich brav abseits, weil ich inzwischen irgendwie derart ehrfurchtsvoll war, dass ich mich nicht so ganz zugehörig fühlte zu all den anderen profis, die sich hier schon aufwärmten oder sonstwie mit dem laufen beschäftigten. sogar zum rauchen ging ich verstohlen ein stück des weges abwärts, um mich nicht auch noch diesbezüglich als ignoranten zu outen. etwas, was mir bei einem einfachen volkslauf nie einfallen würde. um nicht missverstanden zu werden: all die anderen läuferInnen (auch ein kenianer unter ihnen) machten einen durchaus sehr netten, freundlichen eindruck, aber irgendwie erschienen sie mir allesamt aus einer anderen welt (reini mal ausgenommen, aber der hatte sich auf ein kurzes schläfchen hingelegt). nichts desto trotz verging die zeit wie im flug, und als ich gerade im gedanken bei volker war, der es meiner meinung schon lange hinter sich haben mußte (und auch tatsächlich hatte) und ich daran dachte, wie es wohl max gerade erging, wurde schon der erste staffelläufer (es war gerade mal eine halbe stunde vor 12) angekündigt. fasziniert beobachtete ich die übergabe und den doch sehr gut erschöpften läufer, der es gerade hinter sich gebracht hatte. auch die anderen läuferInnen und zuseherInnen waren wohl von der faszination des ganzen derart gepackt, dass sich der wechsel, das weiterlaufen und vor allem der zugang zur labestation eine zeitlang recht mühsam gestaltete, für die ankommenden staffelläuferInnen bzw. für die ersten durchläuferInnen, die auch schon sehr bald auftauchten, und die mir nochmals einen zusätzlichen gehörigen respekt abverlangten. wahnsinn, was die zu leisten im stande waren. nach einiger zeit beruhigte sich das ganze (auch nach eindringlicher aufforderung des sprechers) wieder, aber in mir war endlich der funke erwacht: es war wettkampftag, ich bin bei einer laufveranstaltung, und verdammt nocheinmal, ich werde das geben, was ich zu geben imstande bin. reini war durch die erste staffelübergabe aufgeweckt worden, und so hatten wir uns wieder zusammengetan, um gemeinsam jetzt auch am übergabeplatz eine zu rauchen. die schnellsten waren schon weiter und uns blieb nur das warten auf unsere beiden staffelläufer. der eigner-express rauschte an uns vorbei und die beiden "buben" entpuppten sich als gestandene männer, die in der M50, bzw. immerhin schon in der M30 am start waren, und kurz nach 13 uhr war es dann für reini soweit, der mühe hatte sich noch ordentlich zu adjustieren. wir vereinbarten, dass ich ihn auch brav grüßen werde, wenn ich ihn dann später überhole und weg war er. ich hatte schon lange meine wollsocken und meine lange hose ausgezogen, und meine gel kayano 13 geschnürt, denen ich hier ihren wohlverdienten abschlusslauf gönnen wollte, aber ich mußte noch eine zeitlang warten. inzwischen waren nur mehr ein paar staffeln an der übergabestelle. der beobachtungsposten, der die ankommenden staffelläuferInnen rechtzeitig angekündigt hatte, um den wartenden zeit zu geben, sich bereit zu machen, war schon von der höhe abgezogen und der sprecher hatte den restlichen anwesenden staffeln um 13:20 schon erklärt, dass wir um 14:00 auch ohne staffelübergabe starten könnten, weil dann ohnehin unsere zeiten zu den zeiten der beiden ersten läuferInnen dazugezählt würden. ich hatte aber bestes vertrauen in volker und max und war mir sicher, dass es noch zu einer regulären übergabe kommen würde. kurz nach 13:30 kam dann auch max daher, ich gratulierte ihm, drückte ihm meine fleece-jacke in die hand und sagte ihm wo unsere rucksäcke zu finden waren. er wünschte seinerseits mir glück, und mein abenteuer begann.
beeindruckt vom bisher gesehenen, laufe auch ich gleich los, wie von taranteln gestochen. die ersten 200 meter scharf hinab über die forststraße, dann biege ich erstmals in den wald ein. dabei bestärke ich eine zögernde durchläuferin samt durchläufer im vorbeizischen noch, dass sie auf dem richtigen weg sind. die ersten paar hundert meter auf dem sehr schmalen, erdigen waldweg denke ich mir noch, wie gut das eigentlich geht und plötzlich stehe ich nach einer anhäufung von gelben punkten, die an sich den weg markieren, vor einem gestauder an. während ich versuche, den weiteren weg auszumachen, schließen die schon überholten läuferInnen wieder zu mir auf, wir teilen kurz unsere verwunderung und schaffen es schließlich zu viert, den richtigen weg an hand der spuren der anderen läuferInnen wieder auf zu finden. das bremst zwar kurzfristig meinen elan, aber als mir eine läuferin - wohl als vermeintlich schnelleren - kurz den wirklich sehr schmalen weg frei gibt, um mich nicht aufzuhalten, gehen die pferde wieder mit mir durch. ich durchrase den wald, der immer noch wenig schlammig ist, etwas bergauf und komme erstmals wieder zur forststraße, die aber nur überquert wird. dabei muss ich schon mehr springen und klettern (in meiner bescheidenen vorstellung) als laufen, um diese zu erreichen. aber ich spüre noch unbändige kraft. hinter dem forstweg, so habe ich beim warten erfahren, wartet jener bereich, der extrem sumpfig und daher mit vorsicht zu genießen ist. und noch bevor ich diese vorsicht walten lasse, liege ich schon erstmals am boden, weil ich einfach auf dem nunmehr deutlich tieferen boden ausgerutscht bin. macht immer noch nix, auf geht's, weiter geht's, nur nicht mir selbst eingestehen, dass es eigentlich vollkommen sinnlos ist, dass ich derart unbedacht der läuferin davon eilen will, die mir schon an der wechselstelle einen deutlich erfahreneren eindruck gemacht hat, als ich sie auf diesem terrain je haben werde. mit sicherheit hat sie meine flucherei nicht überhört, als ich vor lauter unachsamkeit in einem tiefen schlammloch versinke und im erstem moment befürchte, dass ich meinen rechten oberschenkel damit vernichtet habe. ich nehme deutlich heraus und hoffe, dass diese schlammschlacht bald ein ende hat. ein blick auf die uhr zeigt mir, dass ich gerade erstmal etwas mehr als 10 minuten hinter mich gebracht habe. na bravo. die ersten gegensteigungen kommen, allesamt entweder komplett verschlammt, oder mit wurzeln und ähnlichem ungemach versehn, vor allem aber gerade mal zwei fuss breit und teilweise auch noch mit gestrüpp überwachsen. auf einer seitlich stark abfallenden stelle schmeißt es mich auch prompt ein zweites mal hin und ich beschließe erstmals ein stück des weges bergauf zu gehen. räumliche orientierung habe ich null, aber irgendwie hoffe ich, dass ich bald zur ersten labestelle komme, an der auch wieder der forstweg beginnt. zwischendrin habe ich teils laufender, teils gehender weise zwei, drei durchläuferInnen überholt, und sehe auch die bewußte läuferin wieder näher kommen. endlich vorbei an der ersten labe, die ich nur grüßend passiere, aber dankend den freundlich dargebotenen getränken entsage, geht's zwar zurück auf die forststraße aber erstmals deutlichst bergauf. weiter vor mir sehe ich ein paar weitere läuferInnen gehen und denke mir, dass ich die bald passieren werde. aber nix da, auch ich muss letztendlich meinem immer hechelnderem atem tribut zollen und zu gehen beginnen. bald darauf führt uns die stecke zurück in den wald, wo ich die durchläuferInnen zwar wirklich überhole, wo mir aber erstmals schmerzlichst bewußt wird, dass ich mich auf den ersten kilometern vollkommen sinnlos übernommen habe. die beine fühlen sich sehr schwach an und ich bin fast dankbar, dass der wieder komplett verschlammte boden auch weiterhin nur das gehen zuläßt, wenn ich mich nicht verletzen will. die höfliche läuferin schließt zu mir auf (was bin ich froh darüber), und wir können uns gemeinsam über den tiefen boden wundern und ärgern, den uns so keiner vorhergesagt hat. was hilft's, irgendwann sind wir aus dem wald wieder draussen und laufen ein stück bergab zur nächsten labe. an sich will ich wieder vorbeilaufen, aber da meine begleiterin stehen bleibt und ich mir nicht mehr die blöße geben will, hier davonzulaufen, nur um ohnehin bald wieder eingesammelt zu werden, nehme ich auch wasser zu mir. gemeinsam geht's weiter resch den forstweg bergab, ich prophezeihe (der wunsch war vater meiner gedanken), dass das ärgste wohl vorbei ist, und wir unterhalten uns ein wenig über das laufen. sie, die sich noch keinen marathon vorstellen kann, läuft mir bergab deutlich zu schnell und ich habe mühe, ihr zu folgen, und verliere meter für meter auf sie. sie kann das einfach besser. zwei kurze gegenhänge laufe ich nur, weil sie auch läuft, und gehe erst, wenn sie auch geht, schließe dabei aber immer wieder zu ihr auf. nach endlos langem bergab kommen wir endlich zur nächsten labestelle kurz vor einem weiteren anstieg, und ich bin froh, ein cola zu mir nehmen zu können. wir laufen in den gegenhang hinein, aber da merke ich, dass mir einfach die kraft fehlt, weiter mit zu halten. so lasse ich sie still und heimlich ziehen, was ich zwar schade finde, aber ich muss wieder kurz gehen, wenn ich mich nicht umbringen will. ich bin wieder im wald und es wird auch wieder flacher, aber erst als es (wieder bei fussbreitem, schlammigen untergrund) leicht bergab geht, fange ich wieder zu laufen an. in all der zeit werden einige durchläuferInnen überholt, denen ich meinen tiefsten respekt zolle, und die umgekehrt mir zu meiner leistung gratulieren. das verwundert mich etwas, den ich fühle mich inzwischen so klein, dass ich solcherlei bezeugungen nicht erwartet hätte. aber sie ermutigen mich auf meinem weiteren weg und so komme ich nach einer weiteren reschen steigung gehend bei der vorletztem labestelle an. warm ist es inzwischen ausserhalb des waldes geworden, viel zu warm und dementsprechend teile ich den freundlichen leuten an der labestelle auch mit, wie schön sie es hier haben und frage vorsichtig nach, wie weit es noch ist. "sieben kilometer" teilen sie mir mit, "ist nicht schlimm" heuchle ich ihnen vor, und während ich noch ihre worte im ohr habe, dass es ab jetzt nur mehr einmal leicht bergauf geht, laufe ich wieder in einen schier endlosen gegenhang ein, der mich letztendlich wieder zum gehen zwingt. als ich den endlich überwinde und dann auch noch aus dem wald komme, registriere ich, dass es wirklich die letzte deutliche steigung gewesen sein muss, denn ich sehe auf die veitsch hinab und denke mir nur, für die paar noch folgenden kilometer ist das aber eine verdammte höhe, die ich bergab überwinden werde müssen. und es geht hurtig bergab, zwar auf einer forststraße, aber eben hurtig. die letzte labestelle wird nur mehr freundlich gegrüßt und kraft aufgetankt durch die netten anfeuerungsversuche der - wie auf der gesamten strecke - sehr entgegenkommenden und hilfsbereiten menschen, und ich sehe weiter vor mir ein paar läufer, an denen ich mich orientieren kann, ohne ihnen einstweilen näher zu kommen. inzwischen glaube ich mit jedem schritt ein erdbeben auszulösen, so hart schlage ich auf der nach wie vor stark bergab führenden strecke auf. aber so sehr auch die oberschenkel brennen und die fussgelenke langsam zu schmerzen beginnen, so wenig machen mir die knie sorgen. und davor hatte ich am meisten angst gehabt. jede kehre gibt neue hoffnung, dass es bald vorbei ist, ich überhole auch die zwei läufer, denen ich schon schier endlos gefolgt bin, weil einer von ihnen einfach schon zu sehr verkrampft und teilweise stehen bleiben muss, und auf einmal, nach einer letzten kehre, geht's noch einmal steil den wald hinab. schreckt mich nicht mehr und bald schon folgt ein wiesenstück, an dessen ende die strasse zu sehen ist. auf der strasse angekommen sehe ich eine markierung aus der ich zu lesen glaube, dass es nur mehr 1100 meter sind und probiere nochmals ein wenig tempo zu machen. das gleingt mir kurzfristig auch recht gut, aber nachdem diese 1100 meter schon zweimal vorbei sein hätten müssen und ich noch immer nicht erahne, wo endlich das ziel ist, fehlt mir endgültig die kraft. nach einer kurzen abzweigung sehe ich auf einmal jemand vor mir, der volker sehr ähnelt, und nach weiteren metern ist er auch als ebendieser identifiziert. scheinbar bestens ausgeruht und wie mir vorkommt in badeschlapfen rennt er locker neben mir her, ermuntert mich ein letztes mal, kündigt mir an, dass wir gleich als deutsche staffel vorgestellt werden, und gemeinsam laufen wir, genauso angekündigt, die letzten meter über die wiese. egal mit volker zusammen lasse ich das gerne unbeeinsprucht! ;-))
im ziel angekommen trafen wir auch gleich auf max, der ebenfalls schon einen wunderbar erholten eindruck machte. ein wenig aufregung kam noch bei mir auf, als er mir offenbarte, dass er nichts von meinem rucksack bei der wechselstelle gewusst und er diesen dementsprechend auch nicht mitgenommen hatte. mit der rennleitung war aber schnell geklärt, dass alle vergessenen sachen aufgesammelt worden wären und schon auf dem weg ins ziel sind. so machte ich mich sehr erschöpft auf der wiese breit, max versorgte mich mit einem erstbier und wir fanden die erste gelegenheit, den lauf ein wenig zu resummieren. letztendlich war ich nur kurz nach reini ins ziel gekommen, der mir verschmitzt erklärte, dass er mich wohl fehlinformiert hätte, über das wesen meiner teilstrecke. er selbst hätte sie heuer auch als deutlich anspruchsvoller empfunden. jaja, dachte ich mir, jaja! ;-) volker kann mit seiner leistung bestens zufrieden sein, er ist alles durchgelaufen und auch die 1:48:17 entsprachen seiner zielzeitvorstellung, meinen großen respekt dafür. max war weniger zufrieden, weil er genau den fehler gemacht hatte, den er mir bei der herfahrt noch als tunlichst zu vermeiden erklärt hatte. er war das bergabstück nach dem wechsel zu schnell angekommen, und hatte dadurch asthmabedingt probleme mit der atmung bekommen. ein umstand, der ihn wohl die kraft raubte für den teufelssteig, wo er eigentlich zeit gutmachen wollte. mein respekt ist ihm dennoch mehr als sicher, ich hätte mir seine 2:43 nicht zugetraut und auch nicht mit ihm tauschen wollen. ich selbst hatte 2:10:22 auf meiner uhr stehen und war deutlich hinter meinen ohnehin schon stark reduzierten erwartungen geblieben, aber ich hatte mir die zeit dennoch redlich erkämpft und war nicht unzufrieden. in der ergebnisliste fand sich ohnehin eine 2:08:22 wieder, kein wunder ich konnte mich nämlich im ziel nicht erinnern auf stop gedrückt zu haben und war eigentlich erstaunt, dass ich überhaupt eine zielzeit auf der uhr hatte. wir sind von 25 staffeln in unserer altersklasse zwar letzter geworden, aber das bereitete uns wenig kopfzerbrechen. viel zu schön war das gemeinsame erlebnis, aber auch der lauf selbst gewesen. zu dem zeitpunkt war ich zwar überzeugt, dass ein berglauf für mich nie mehr in frage kommen würde, das änderte aber schon da nichts an meinem empfinden, dass ich den tag nie und nimmer hätte missen wollen. gemeinsam dachten wir auch noch an hannes, der ja eigentlich der motor dieses treffens war, und der leider verletzungsbedingt nicht teilnehmen konnte. wäre er heute hier gewesen und wäre voll gelaufen (was er allerdings nicht vorhatte, er wollte ja unsere staffel begleiten), dann wäre er wohl auch einer derjenigen gewesen, der sich unserer uneingeschränkten bewunderung hätte sicher sein können. hatte er doch im vorjahr - tatsächlich als trainingslauf betrieben - nur 4:53 gebraucht und war dritter seiner AK und gesamtfünfter geworden. schade, dass es nicht dazu kam.
zwischenzeitlich war auch mein rucksack im tal angekommen und ich entschloss mich doch, mich ins hallenbad zu bewegen, um mich zu duschen. das raumklima dort war zwar verhehrend nach soviel natur, aber die dusche war genauso angenehm wie sinnlos (zuhause sollten mich meine kinder nämlich fragen, warum ich so dreckige beine habe). ich hatte auch noch kurz die möglichkeit, ein paar worte mit meiner vorläuferin zu wechseln (sie hat mir letztendlich noch mehr als fünf minuten abgenommen), die es auch als durchaus angenehm empfunden hatte, ein stück des weges gemeinsam zu laufen.
zurück im zielbereich konnte ich die anderen beiden überreden, sich mit mir ins zelt zu setzen (ich war einfach zu zerschlagen, um herum zu stehen), und wir hatten noch ausreichend gelegenheit zu plaudern, der siegerehrung (an deren beginn dann doch noch ein kurzer, heftiger regenguss stand) zur gänze zu lauschen und auch noch der verlosung beizuwohnen. inzwischen war es nach 18:00 geworden und es wurde langsam zeit für volker, sich wieder seiner familie zu widmen, die ihn doch schon sehnlichst zurückerwartete, auch wenn uns seine frau sehr freundlich zuwinkte. er begleitete uns noch zum auto, auch dort verbrachten wir noch einige zeit damit, unserer freude über den tag ausdruck zu verleihen und uns zu versichern, dass man sich im leben immer ein zweites mal sieht, und dann ging's für max und mich ab nach hause. auch bei der heimfahrt wurden wir nicht müde, uns über das tagesgeschehen zu unterhalten. es blieb auch zeit für ein paar private worte und so verabschiedeten wir uns fast schon als alte freunde. ich mußte mir zu hause noch kurz die schelte meiner frau anhören, die mich mangels handy auch nicht hat telefonisch erreichen können, und die es nicht gewohnt war, dass ich so lange bei einem laufevent ausharre. sie nahm es mir aber letztendlich nicht übel.
bleibt für mich nur noch ein kurzes resummee:
ich bin vor allem einmal froh, die bekanntschaft zweier ausgesprochen netter menschen gemacht zu haben, die ich ohne das laufen wohl nie kennengelernt hätte. laufen, vor allem staffellaufen verbindet doch ungemein, wenn man die richtigen leute trifft. auch das bestärkt mich in meinem tun und ich hoffe, ich sehe sie bald einmal wieder (bei max sollte das nicht schwer werden, aber auch volker wird mir nicht entkommen ;-))).
ich bin froh, diese komplett neue erfahrung das laufen betreffend gemacht zu haben. denn auch wenn ich zur kenntnis genommen habe, dass das bergauf, bergab, oder durch den verschlammten wald laufen nie meine stärke werden wird: das nie wieder habe ich schon längst bei seite geschoben und mit etwas mehr respekt und damit verbunden auch mit einer besseren vorbereitung, bin ich jederzeit zu einer wiederholung bereit. als trainingslauf würde ich das dann aber nie wieder bezeichnen! ;-))
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