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trainingssteuerung
[08.02.2009] pace versus puls, oder doch lieber nach gefühl ...
vorab nochmals kurz die trainingsbereiche, die ich in meinem lauftagebuch anführe, und was ich mir persönlich so darunter vorstelle. alle diese bereiche sind natürlich an eine gewisse herzfrequenz gekoppelt, die mensch idealerweise dabei haben sollte, und sind über meinen trainingsplan auch mit tempovorgaben, die sich an einer einigermaßen realistischen steuerzeit orientieren, versehen. allzu sklavisch sehe ich beides dann vor allem bei den langsameren einheiten nicht, solange mein belastungsempfinden zur vorgegeben einheit passt. je schneller das tempo wird, umso mehr rückt dann ohnehin der umstand in den vordergrund, ob ich die einheit überhaupt schaffe, oder nicht.
regenerativ
(HF 60%-72%) betont langsames laufen, um meine muskeln auszuschütteln und mich laufend zu erholen. als anstrengung sollte das ganze nicht empfunden werden.
extensiv
(HF 65%-75%) langsames laufen immer unter dem aspekt, dass ich zur not auch endlos in dem tempo weitermachen könnte, wenn es denn meine beine zuließen.
intensiv
(HF 74%-82%) der bereich, den ich jetzt am ehesten mit wohlfühltempo beschreiben würde. schon fordernd, ohne aber an irgendwelche leistungsgrenzen zu gehen.
tempo
(HF 82%-95%) das darf, ja soll sogar etwas weh tun. pace und distanz orientieren sich dabei an die verschiedenen wettkampftempi, die es letztendlich zu festigen gilt.
frei
das kann alles sein, was sich an dem tag so ergibt. frei im sinne von frei von jeglicher trainingsplanung; herzfrequenz und tempo dementsprechend nicht fix zuordbar.

nachgereicht noch ein paar überlegungen und erfahrungen zum thema:
je länger ich nun mit herzfrequenzmessung durch die gegend laufe, umso mehr stelle ich fest, dass gemessener puls und gefühlte belastung nicht immer dasselbe sind. eher vereinzelt ist mein puls in bereichen, die ich sonst beim schnell gehen überschreite, obwohl ich mich ordentlich beschäftigt fühle. sehr viel öfter scheint er mir viel zu hoch, obwohl ich keine angemessene anstrengung empfinde. wenn ich dann noch beobachte, wie mir meine polar 800 manchesmal vollkommen willkürliche werte anzeigt, die nicht annähernd irgendeiner realität entsprechen, ohne dass ich bisher wirklich ausmachen konnte, woran die zeitweilige fehlfunktion liegt, dann stellt sich mir die frage, ob ich mein training nach herzfrequenz ausrichten soll, gar nicht mehr. zumal ja auch im wettkampf selbst die gemessene herzfrequenz vollkommen ohne belang ist. was nutzt mir eine durchschnittliche HF von nur 85% bei einem 10km-lauf, wenn ich einfach dennoch nicht in der lage war, auch nur eine sekunde pro kilometer schneller zu laufen? was stört mich letztendlich ein wert von 93% beim letzten tempostück eines intervalltrainings, wenn ich den eindruck habe, durchaus noch eines draufsetzen zu können? dass ich mir auch nicht anmaße, meine maximale herfrequenz wirklich zu kennen, sei dabei nur am rande erwähnt.
umgekehrt fehlt mir immer noch das tempogefühl, um eine vorgegebene trainingspace auch nur annähernd genau zu treffen. und der geschwindigkeitsanzeige meiner uhr vertraue ich genausowenig, weil die (zwar spärliche) erfahrung mit meinem GPS-sensor einfach gezeigt hat, dass die genauigkeit der messung gerade bei der tempoanzeige sträflich versagt. da kann ich mein tempo in der tat noch besser selbst hinschätzen.
so bleibt mir als sinnvolle alternative einfach nur, nach gefühlter belastung loszulaufen, bei der ersten zwischenzeit zu schauen, wo ich in etwa liege mit meiner pace, und dann im meisten fall das einmal eingeschlagene tempo so gut es geht beizubehalten, bzw. bei tempoläufen auch mal nach oben oder unten zu korrigieren, so gut mir das eben gelingt. damit bin ich zwar manchesmal langsamer als vorgenommen, sehr oft aber auch einen tick schneller und damit auch mit meiner herzfrequenz zu hoch, aber meistens habe ich am ende eines laufes das gefühl, dass ich mich genau nach der vorgegebenen intensität des trainings belastet habe. und siehe da: wenn ich jetzt zum beispiel das ergebnis des 10ers in graz hernehme und mit meinem trainingsplan vergleiche, dann liege ich auch im wettkampf gar nicht mal so schlecht mit der theoretischen einschätzung meines trainingszustandes. dass ich mich praktisch immer schlechter wähne, als ich es letztendlich tatsächlich bin, hat damit natürlich überhaupt nichts zu tun. ;-)
bleibt mir also am ende nur festzustellen, dass ich meine herzfrequenz zwar genauestens wenn auch sehr oft mit großer verwunderung beobachte, und selbstverständlich auch vergleiche zu längst vergangenen trainingseinheiten anstelle, um mich dabei vor allem darüber zu freuen, dass ich insgesamt schneller werde, obwohl mir meine HF eigentlich das genaue gegenteil erzählt. dennoch werde ich mein training auch weiterhin nach jenen zeiten steuern, von denen ich mir halt ganz fest einbilde, sie im moment auch laufen zu können, und mich auch nicht scheuen, diese bei gegebenen anlass auch nachzujustieren. in beide richtungen, wohlgemerkt.
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